Der letzte Straußianer

Franz Josef Strauß war sein größter Förderer: Peter Gauweiler machte schon in jungen Jahren Karriere. Jetzt wirft der 65-Jährige die Brocken hin. Zu zerrüttet ist sein Verhältnis zu CSU-Chef Horst Seehofer.

Um Peter Gauweiler ranken sich viele Geschichten und Anekdoten. Bundesweite Bekanntheit erlangte er 1987, als er frisch im Amt eines bayerischen Innenstaatssekretärs am Ende erfolglos einen Aids-Zwangstest für Homosexuelle forderte. Einen seiner größten Erfolge erzielte er in der Provinz. Als Umwelt- und Landesentwicklungsminister verantwortete Gauweiler die Aufräumarbeiten nach der Schließung der Chemischen Fabrik Marktredwitz, dem bis heute größten bayerischen Umweltskandal. Sein Einsatz für die Beseitigung der Industrie-Altlast sowie die städtebauliche Folgenutzung des vorher hochgradig mit Quecksilber verseuchten Geländes als Einkaufszentrum und Standort einer Außenstelle des Geologischen Landesamtes brachten ihm seinerzeit die Ehrenbürgerwürde der Stadt Marktredwitz ein.

"Law and Order"

Zu dieser Zeit, Anfang der 1990er Jahre, war Gauweiler bereits eine schillernde Figur der Landespolitik. Mit ihm geht bei der CSU einer der letzten Straußianer von Bord. Übervater Franz Josef Strauß entdeckte früh das Talent des jungen Juristen und nahm ihn - anstelle der in seinen Augen politisch weniger begabten leiblichen Söhne - als politischen Ziehsohn an. Entsprechend steil verlief Gauweilers Karriere in jungen Jahren. Schon mit 33 Jahren wurde er 1982 städtischer "Innenminister" der Landeshauptstadt München. Mit seiner rigiden Politik des "Law and Order" und seinem Kampf gegen das Rotlichtmilieu machte er sich schnell einen Namen über die Grenzen Münchens hinaus.

Vier Jahre später holte ihn Strauß als Innenstaatssekretär in sein Kabinett, wo er ein ums andere Mal seinem Minister, dem eher bedächtigen Weidener Gustl Lang, die Schau stahl. Unvergessen, wie Gauweiler 1988 in einer Münchner Kaserne das tödliche Geiseldrama von Gladbeck nachstellen ließ, um zu zeigen, wie die bayerische Polizei die Lage ohne großes Blutvergießen in den Griff bekommen hätte, oder wie er Weihnachten 1986 im Kreise der von ihm zum harten Durchgreifen animierten Polizisten am Bauzaun der WAA Wackersdorf verbrachte. Gauweiler wurde so zum Helden der Rechtskonservativen und zum "Gottseibeiuns" der Linken und Liberalen. Kaum einer polarisierte wie der evangelische Vater von vier Kindern.

Mit dem Tod seines Förderers Strauß begann Gauweilers Stern zu sinken. Trotz einer immensen Materialschlacht verlor er 1993 die Münchener Oberbürgermeisterwahl gegen Christian Ude (SPD). Ein Jahr später musste er den Posten des Umweltministers in Folge der sogenannten Kanzlei-Affäre räumen. Ihm war vorgeworfen worden, den Mandantenstamm seiner Anwaltskanzlei unter Verstoß gegen das Nebentätigkeitsverbot für Mitglieder der Staatsregierung teuer verpachtet zu haben. Rechtlich war der Vorgang umstritten, doch mit seinem machtbewussten Auftreten hatte sich Gauweiler in der CSU viele Feinde geschaffen, sein Rückhalt in der Partei bröckelte. Letztlich war es Ministerpräsident Edmund Stoiber, der Gauweiler fallen ließ. Gauweiler wechselte 2002 vom Land- in den Bundestag, wo er sein Image als erzkonservativer Querdenker pflegte. Die aus seiner gut gehenden Anwaltskanzlei resultierende Unabhängigkeit nutzte er immer wieder, um gegen den Mainstream zu bürsten. Er agitierte gegen die Einführung des Euro, den er despektierlich "Esperanto-Geld" nannte, er lehnte den Irak-Krieg ab.

Bei der Euro-Rettung nach der Finanzmarktkrise 2008 sowie in Sachen Abtretung nationaler Kompetenzen an die EU klagte er sogar gegen die eigene Bundesregierung vor dem Bundesverfassungsgericht. Seine EU- und Euro-kritische Haltung machte ihn im Vorfeld der Wahljahre 2013 und 2014 für CSU-Chef Horst Seehofer interessant. Gauweiler war Seehofers Antwort auf das Erstarken der AfD, er sollte konservative Wähler an die CSU binden - ein Schachzug, der letztlich misslang.

Seehofer: "Ihr oder ich"

Die Begeisterung Seehofers über den Vize Gauweiler kühlte danach rapide ab, zumal dieser es nicht lassen konnte, weiter öffentlich gegen die Euro- und Griechenland-Politik von Kanzlerin Angela Merkel zu wettern. Als Gauweiler im Bundestag mit einigen anderen aus der Union entgegen der offiziellen Parteilinie das jüngste Griechenland-Paket der EU ablehnte, war Seehofers Geduld am Ende. "Ihr oder ich" soll er danach im Parteivorstand gewettert haben. Peter Gauweiler hat aus diesem unmissverständlichen Ultimatum nun für sich die Konsequenzen gezogen.
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