Der Mann, der Beatrix war

Komiker, Showmaster, Schauspieler und Buchautor: Multitalent Hape Kerkeling gilt als einer der wenigen echten Entertainer Deutschlands. Bild: dpa

Er habe "den Soundtrack zur Bundesrepublik Deutschland geschrieben", sagte Hape Kerkeling zum 80. von Udo Jürgens. Und Kerkeling selbst, der heute 50 wird? Der hat die Republik zum Lachen und zum Nachdenken gebracht.

Wenige Worte reichen und unvergessliche TV-Momente mit Hape Kerkeling tauchen bei fast jedem in Deutschland im Kopf auf. "Lecker Mittagessen" zum Beispiel - mit holländischem Akzent von ihm als vermeintliche Königin Beatrix am Schloss Bellevue gesagt. Oder "Hurz" - ausgerufen von ihm als angeblicher Neue-Musik-Sänger aus Polen.

Pause von der Showbühne

Millionen haben auch Kerkelings Jakobsweg-Bestseller "Ich bin dann mal weg" gelesen oder vertiefen sich zurzeit in seine Autobiografie "Der Junge muss an die frische Luft". Der Komiker Hape Kerkeling gehört zu Deutschland wie Heino oder Altkanzler Helmut Schmidt. Er scheint eine Institution geworden zu sein. Heute wird er 50. Mit der Showbühne soll erst einmal Schluss sein. "Jetzt mache ich wirklich erst mal gar nichts. Irgendwann setze ich mich wieder an den Schreibtisch", sagte Kerkeling nach 30 Jahren Bühnenkarriere. Er mache sich nicht rar, um begehrter zu sein, sagte Kerkeling. "Ich mache mich rar, weil ich mich rarmachen will." Im Frühling brachte er das Schlageralbum "Ich lasse mir das Singen nicht verbieten" heraus, die Erfüllung eines Kindheitstraumes. 2014 war für ihn voller Nostalgie: Anfang Oktober erschienen seine Memoiren, in denen er viel aus seiner Kindheit im Ruhrgebiet erzählt, von seinen prägenden Omas, lieben Schulfreunden, aber auch bewegenden Begegnungen als Erwachsener, etwa mit dem Dalai-Lama.

Am meisten Medienecho fand jedoch der offene Umgang mit dem Suizid seiner Mutter Margret im Jahr 1973. In Interviews betonte er, er glaube, dass es Betroffenen guttun könne, wenn ein Promi eine Erfahrung wie diese öffentlich mache.

Neue Rolle als Schriftsteller

Kerkeling sucht inzwischen mehr und mehr die Rolle des nachdenklichen Schriftstellers, wird zu einem TV-Altmeister. Kerkeling lebt seit einigen Jahren in Berlin, außerdem ist er oft und gern in Italien, seiner "unbelasteten Zweitheimat". Zu seinem Privatleben verliert er wenige Worte: In seiner Autobiografie ist diskret von seinem "Freund Henning" die Rede.

Kerkeling geht offen mit dem Thema um. "Seitdem ich denken kann, denke ich schwul", heißt es etwa in seiner Autobiografie. "Schwul oder lesbisch zu denken bedeutet für mich, über Kreuz zu denken, vorsichtiger zu denken, aber auch mutiger, großräumiger und schlicht bunter. Es ist mir in die Wiege gelegt worden und nach meiner Überzeugung, auch wenn das einigen nicht in den Kram passen mag, von Gott gewollt."
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