Der Neue in Nürnberg

Hauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) muss in den Hinterhöfen Nürnbergs ab und zu auch mal die Dienstwaffe zücken. Sein erster Einsatz im Franken-"Tatort" ist ab 12. April zu sehen. Bilder: BR/Olaf Tiedje (1), Kunz (1)

Fabian Hinrichs weiß, was er tut. "Mein Bruder ist Polizist, mein Vater ist Polizist, und mein Opa ist Polizist gewesen. Ich komme also schon aus einer Polizistenfamilie." Das sind allerbeste Voraussetzungen für einen "Tatort"-Ermittler.

Mehr will der Kriminalhauptkommissar im neuen Franken-"Tatort" aber nicht über sein Privatleben preisgeben. Höchstens noch, dass er mal Jura studiert hat. Aber nicht fertig. Der 40-jährige Berliner ermittelt als Felix Voss erstmals an der Seite von Dagmar Manzel (als Polizeihauptkommissarin Paula Ringelhahn) in Nürnberg. Dort klären die beiden den Mord an einem verheirateten Erlanger Uni-Professor auf, der nach einem Techtelmechtel in seinem Auto in einem Waldstück aufgefunden wird - mit zwei Kopfschüssen. Wir trafen Hinrichs im Münchner Literaturhaus.

"Es gibt drei Ermittler, die aus Franken kommen - nur die beiden Hauptkommissare kommen eben nicht aus Franken", sagt der Schauspieler, "das ist auch ein ganz stimmiger Ausdruck der föderalen Struktur Deutschlands." Dadurch, dass die Hauptermittler nicht regional verhaftet seien, ließen sich die Kontraste dessen, was fränkisch sei und was eben nicht, viel besser vermitteln, als wenn alle Hauptfiguren Franken seien. "Ich spiele hier aber auch keinen typischen Norddeutschen", räumt er ein. "Da prallen Welten aufeinander. Und es kann überregional geschaut werden. Wären hier nur Franken oder nur Norddeutsche am Werk, dann wäre das wohl etwas zu speziell für einen 'Tatort', der ja bundesweit empfunden werden soll."

Am Anfang ohne Plan

Als Felix Voss kommt er im ersten Franken-"Tatort" am Nürnberger Hauptbahnhof an - und dann beginnt der Film eigentlich schon. "Ich werde nicht abgeholt, ich kenn' mich in Nürnberg nicht aus. Ich weiß nicht einmal, wo die Dienststelle genau ist." Natürlich würden die Ermittler vorgestellt. Aber es gehe sofort um den Fall. "Tatort ist ein typischer 'Wer hat's getan?'-Krimi." Im Laufe der kommenden Folgen sollen sich einige private Aspekte der Figuren "dann schon anreichern".

Hätte man das Private in einem einzigen Film abzuhandeln, "würde man 90 Minuten für die Vorgeschichte von Dagmar Manzel und 90 Minuten für Felix Voss benötigen". Der Vorteil der Serie besteht laut Hinrichs eben darin, dass man über viele Episoden hinweg eine viel größere Tiefe der Charaktere erreichen könne als in einem einzelnen Spielfilm. "Es werden Dinge dazustoßen, die wir heute noch gar nicht wissen, weil es immer neue Autoren und Regisseure gibt. Konstant bleibt die Redaktion des Bayerischen Rundfunks und natürlich das Team." Hinrichs hält es mit Großmeister Alfred Hitchcock: "Ein guter Film sollte so sein wie das Leben. Nur ohne die langweiligen Stellen." Deshalb beleuchte der Franken-"Tatort" viele Ecken und Kanten der Protagonisten.

Untergebracht war Hinrichs während der 21 "Tatort"-Drehtage in der Nürnberger Nordstadt, wo er sich im Dachgeschoss in einem sehr schönen Altbauviertel, wie er sagt, eine Wohnung genommen hat. Das hab ich mir so angewöhnt, weil ich dann selber kochen kann. Frau und Kind hätten ihn auch besucht. Nürnberg habe er mit dem Fahrrad erkundet, was ihm sehr gefallen habe. Demnächst wolle er eine Bier- und Wein-Tour durch Franken machen. "Ich weiß nur nicht, wann ich Zeit dazu habe."

Die Menschen in Franken seien "herzlich, ruhig und gelassen", erzählt Hinrichs, der kürzlich von Berlin nach Potsdam umgezogen ist. Die "Spannkraft" in der Stadt sei großartig. Besonders angetan sei er von der bewegten Geschichte Nürnbergs. Vor allem interessiere ihn, den Hobby-Historiker, die Industrie vor Ort mit der hohen Arbeitslosigkeit als Folge. "Den sozialen Sprengstoff bekommt man ja auch mit. Es gibt hier sehr viele Ecken, die filmisch sehr interessant sind."

Ausflug in die Oberpfalz?

Ob der Franken-"Tatort" auch mal in die benachbarte Oberpfalz ausgedehnt werde, könne er nicht beeinflussen, sagt Hinrichs. Der Ort für den nächsten "Tatort" stehe aber schon fest, nur verraten dürfe er ihn natürlich nicht. "Die Dreharbeiten beginnen im Juli." Er glaube schon, dass die Produktion den Anspruch habe, in möglichst vielen Winkeln Frankens zu drehen. "Es ist ja kein spezifischer Münchner oder Berliner 'Tatort', sondern ein Franken-'Tatort'. Und der deckt nun mal ganz Franken ab, was natürlich seine Zeit braucht." Geplant sind derzeit drei Folgen in zwei Jahren.

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"Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden", Sonntag, 12. April, um 20.15 Uhr in der ARD.
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