Der Papst, der aus dem Osten kam: Vor zehn Jahren starb Johannes Paul II.
"Es ist geschehen"

Papst Johannes Paul II. 1996 bei einer Messe im Vatikan. In den letzten Jahren seines Lebens zog sich der polnische Pontifex nicht aus der Öffentlichkeit zurück, obwohl ihm seine Auftritte wegen seiner Parkinson-Erkrankung immer schwerer fielen. Bild: dpa
Der Redakteur des polnischen Nachrichtensenders TVN 24 rang um Fassung, als er am 2. April 2005 die Nachricht verlas, die nicht nur in Polen seit Tagen erwartet worden war: "Es ist geschehen. Johannes Paul II. ist tot." Dann wurde der Bildschirm für ein paar Minuten schwarz. Die katholische Kirche hatte ihren Oberhirten verloren - für viele Polen war es, als sei ein geliebtes Familienmitglied gestorben. Auch Atheisten betrauerten den Tod des polnischen Papstes. Hunderttausende pilgerten zu seiner Beerdigung nach Rom, so, wie sie einst zu den Messen auf seinen Pilgerreisen geströmt waren.

Die Welt blieb nicht stehen

Zehn Jahre später sind die Gedenkfeiern für den im vergangenen Jahr heiliggesprochenen Johannes Paul selbst in Polen kleiner und bescheidener geworden. Die Gegenwart, die Erwartung des Polen-Besuchs von Papst Franziskus zum Weltjugendtag 2016 in Krakau, überlagert die Erinnerung an die Vergangenheit. Die Welt blieb nicht stehen in der Todesstunde von Karol Wojtyla.

Der Rückblick auf das Pontifikat ist auch in Polen nüchterner geworden. Vieles wird noch immer bewundert und respektiert, etwa das öffentliche Leiden des Papstes, der Krankheit und Alter nicht versteckte. Immer deutlicher fällt dagegen die Kritik an Schweigen und Passivität angesichts der Missbrauchsskandale während des Pontifikats des Polen aus.

Karol Wojtyla, seit 1978 der erste Pole auf dem Petersthron, der erste Nicht-Italiener seit Jahrhunderten, brachte in mancher Hinsicht frischen Wind in die Kirche: Ein Papst, der nicht hinter den Mauern des Vatikans blieb, sondern in die Welt zog. Ein Papst, der zu Beginn seines Pontifikats Ski fuhr und sich für Fußball begeisterte. Ein Papst voller Charisma und mit einem herzlichen Lachen, der auf die Menschen zuging - wie heute Franziskus. Daran änderte auch ein Attentat auf ihn 1981 auf dem Petersplatz nichts.

Geschichte geschrieben

Dass sich hinter diesem Lächeln auch ein eiserner Wille und streng konservative Ansichten befanden, merkten alle, die auf eine Liberalisierung der Kirche hofften, schon sehr bald. Die Erfahrung mit zwei Diktaturen hatten den 1920 im südpolnischen Wadowice geborenen Karol Wojtyla geprägt. Bei seiner ersten Pilgerreise in die damals noch kommunistisch regierte Heimat 1979 rief Johannes Paul vor Hunderttausenden auf dem Warschauer Siegesplatz: "Dein Geist komme und erneuere die Erde - diese Erde!" Viele Polen sahen das als Aufruf, das System zu ändern. Ein Jahr später streikten die Arbeiter auf der Danziger Werft, ein Jahrzehnt später fiel die Mauer. Die Veränderungen hatten ihren Ausgang in Polen.
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