Der Wolf erkundet die nördliche und mittlere Oberpfalz
Die Rückkehr der Raubtiere

Bild: dpa
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Deutschland und die Welt
23.10.2015
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Eine Wildtier-Kamera dokumentierte Ende September einen durchziehenden Wolf im Landkreis Cham. Die scheuen Tiere legen in einer Nacht bis zu 50 Kilometer zurück. Auch die nördliche Oberpfalz ist "Wolf-Erwartungsland". Darauf deuten viele Spuren und Wahrnehmungen hin. Bild: hfz
Amberg/Weiden. "Der Wolf ist da." Reinhard Lenz, Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Schnaittenbach, bestätigt das Geraune unter Landwirten und Jägern. Nicht nur im Landkreis Cham erfolgte die Entdeckung, ein Landwirt erblickte vor wenigen Wochen einen einzelnen Wolf auch bei Königstein, in der westlichsten Ecke des Landkreises Amberg-Sulzbach.

"Der Wolf erkundet die nördliche und mittlere Oberpfalz. Er dürfte bei uns in den nächsten Jahren so sesshaft werden wie heute Luchs und Wildkatze", spricht Lenz von einer "frühen Anfangsphase" und "Momentaufnahmen". So fanden bereits vor gut zwei Jahren im Raum Pressath-Erbendorf Jäger frische Wolfsfährten im Schnee. Seither kam es wiederholt zur Beobachtung von einzelgängerischen Wölfen in der gesamten Region.

Lenz beurteilt die Rückkehr des vor mehr als 200 Jahren ausgerotteten Allesfressers "völlig emotionslos": "Die Auswirkungen werden sich weit unterhalb der Schäden durch den Biber bewegen." Weil das scheue Raubtier dem Menschen aus dem Wege gehe, sei die Gefahr eines Angriffs in der U-Bahn um ein Tausendfaches höher als eine Wolfs-Attacke. Lenz schmunzelt: "Wir könnten die Probleme mit dem Biber weitgehend lösen, wenn er zum Haupt-Beutetier des Wolfs wird." Bis dahin dürfte aber noch viel Wasser in die Naab und Vils fließen.

Seeadler heimisch

Tatsache ist die Wiederkehr des mächtigen Seeadlers: Im Truppenübungsplatz Grafenwöhr nistet mindestens ein Paar. Der Greifvogel mit einer Flügelspannweite bis zu 2,40 Meter zieht von dort aus seine Kreise über dem Manteler Forst oder über dem Grubengelände bei Hirschau. Der standorttreue Seeadler erlegt nicht nur Fische, sondern auch Enten, Kaninchen, Hasen oder Fasane.

"Sehr erfolgreich" verläuft die Wiedereinbürgerung des Fischadlers. Horste gibt es im Manteler Forst (seit 2002), im Hessenreuther Wald (2007) und im Kohlberger Wald (2010). Die drei Standorte werden strikt geheim gehalten und von Anfang April bis Ende August gilt in den Staatsforsten eine weiträumige Absperrung für die Jagd und jegliche Waldarbeiten, "damit die Fischadler Ruhe vor den Menschen haben".

Auto als Beute-Konkurrent

Als "absolut gesichert" (Lenz) gilt auch das Vorkommen von drei Luchs-Familien im Hessenreuther Wald, bei Königstein und Freudenberg (Landkreis Amberg-Sulzbach). Nach wie vor seien "die Jäger über den Luchs nicht sonderlich erfreut", merkt Lenz an, der folgende Rechnung aufmacht: In ihrem Jagdrevier von 5000 Hektar erlegt die Raubkatze etwa 50 Rehe im Jahr - also gingen 20 Prozent des Abschusses theoretisch auf das Konto des Luchs in rund 12 Jagdrevieren (jeweils 400 Hektar), in denen die Jäger jeweils im Schnitt 25 Rehe erlegen. Darüber hinaus werden 20 Prozent der Rehe Opfer des Straßenverkehrs. "Könnte es vielleicht sein, dass sich der Luchs einen nennenswerten Teil seiner Beute von den Straßenrändern holt?", fragt Lenz. Denn frische Risse durch den Luchs seien so gut wie unbekannt. "Der Autofahrer ist für die Jäger mehr Konkurrent als der Luchs."

"Flächendeckend" in der Region verbreitete sich in den vergangenen zehn Jahren auch die Wildkatze, vor allem entlang von Bachläufen und kleineren Flüssen wie der Haidenaab. "Lockstöcke mit Baldrian bringen den Nachweis für das Vorkommen der Wildkatze in unserer Gegend", erklärt Reinhard Lenz.

Auch der über lange Jahrzehnte von der Ausrottung bedrohte Schwarzstorch fand inzwischen in der nördlichen und mittleren Oberpfalz eine Heimat: etwa bei Edelsfeld (Kreis Amberg-Sulzbach), Weiden-Mooslohe, Atzmannsberg (Kreis Tirschenreuth) und relativ stark ist seine Population im östlichen Landkreis Neustadt/WN bei Muglhof, Tännesberg oder Georgenberg.

Der Biber als Plage

Vorbei ist es mit der waidmännischen Gelassenheit bei Reinhard Lenz, wenn die Rede auf den Biber kommt. "Dieses Viech mit dem platten Schwanz" verursacht mit seinen wasserbaulichen Aktivitäten enorme Schäden an Weihern und Dämmen, abgesehen von den Fäll-Aktionen bei teilweise alten Baum-Beständen und jungen Gehölzen. "So hat eine Biber-Familie über Nacht eine ganze Eichen-Kultur weggefressen." Auf dem Schreibtisch von Lenz liegt ein Kostenvoranschlag für die Reparatur der Schäden an einem 1,5 Hektar großen Weiher an der Bundesstraße B 470 für 8000 Euro. Hier zerstörte der Biber das komplette Ablaufsystem. Ihn zu fangen, hilft nur kurzfristig. Lenz: "Geräumte Areale werden sofort wieder besetzt." Mittlerweile sucht der Biber selbst die Gewässer-freien Kämme der Mittelgebirge heim.
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