Deutsche essen weniger Fleisch

Mit einer witzigen Aktion protestieren als Zombies verkleidete Peta-Aktivisten in Berlin am Potsdamer Platz gegen die industrielle Fleischproduktion. Bild: dpa

Der regelmäßige Verzehr von verarbeitetem Fleisch erhöht das Krebsrisiko - mit dieser Einschätzung lässt die WHO aufhorchen. Eine Umfrage zeigt, dass ihre Warnung manche Menschen in Deutschland nachdenklich stimmt.

Über ein Drittel der Deutschen hat seinen Fleischkonsum in den vergangenen fünf Jahren verringert. 15 Prozent wollen wegen der Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Fleisch und Wurst weniger davon essen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. Die WHO hatte mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, Würstchen, Schinken und anderes verarbeitetes Fleisch erhöhten das Darmkrebsrisiko. Bei rotem Fleisch ist dies den Forschern zufolge zumindest wahrscheinlich.

Von den Befragten gaben 37 Prozent an, sie hätten ihren Fleischkonsum verändert und achteten inzwischen darauf, weniger Fleisch zu essen. Zum Vegetarier sind in dieser Zeit demnach 2 Prozent geworden, zum Veganer 1 Prozent. 50 Prozent essen Fleisch wie eh und je, 1 Prozent hat wieder mit dem Fleischessen angefangen. Auch laut dem Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie ist der Verzehr gesunken: von 31,3 Kilogramm pro Kopf 2003 auf 29,6 Kilogramm 2013.

24 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer in Deutschland sind aufgrund der jüngsten WHO-Einschätzung beunruhigt. Die meisten - 68 Prozent - wollen trotzdem genau so viel Fleisch wie bisher verzehren. Dass sie schon jetzt kein Fleisch essen, sagten zudem 10 Prozent der Befragten.

Die WHO-Warnung stieß auf Kritik, vor allem in der Wirtschaft. So sprach der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft von "Halbwahrheiten, die für Verwirrung sorgen". "Ein zu viel eines Nährstoffs oder Lebensmittels ist nie gut, das wissen wir alle", sagte Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Jeder müsse für sich das richtige Maß finden.

WHO präzisiert Aussage

Die WHO betonte erneut, ihre Behörde, die Internationale Agentur für Krebsforschung, habe keinen völligen Verzicht auf Wurst verlangt, sondern mache vielmehr darauf aufmerksam, dass eine Verminderung des Konsums von rotem Fleisch und Fleischprodukten das Krebsrisiko senken könne.

Statistiker warnten vor einer Überdramatisierung der Krebsgefahr. Das absolute Risiko für Darmkrebs liege bei 5 Prozent. Durch den Wurstkonsum erhöhe sich dieses Risiko auf 6 Prozent. "Das hört sich schon etwas weniger dramatisch an", teilte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) unter der Überschrift "Unstatistik des Monats: Wursthysterie" am Freitag mit.
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