Deutsche für Impf-Pflicht

Rückt eine Impfpflicht gegen Masern näher? Zumindest der Druck soll höher werden. Geplant ist unter anderem eine verpflichtende Kontrolle des Impfstatus, bevor Kinder in eine Kita aufgenommen werden. Bild: dpa

Die Masernwelle in Berlin hat in Deutschland eine Diskussion um die Impf-Pflicht entfacht. Die Bürger sind mehrheitlich dafür. Die Koalition plant noch keinen Zwang, hat aber schärfere Maßnahmen in der Schublade.

(dpa/za) Rund drei Viertel der Deutschen befürworten Umfragen zufolge eine Impf-Pflicht für schwere Krankheiten wie Masern. Das zeigen zwei Anfang dieser Woche erhobene repräsentative Umfragen unter jeweils rund 1000 Bundesbürgern. Beide wurden am Donnerstag veröffentlicht. Nach Daten des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 40 Prozent der Befragten, sie seien "sehr für eine Impf-Pflicht" für solche Krankheiten, 34 Prozent waren "eher für eine Impf-Pflicht". Nur 21 Prozent waren "eher oder sehr gegen eine Impf-Pflicht". 5 Prozent zeigten sich unentschlossen. Besonders viele Befürworter hatte die Impf-Pflicht in der Altersgruppe ab 55 Jahre. In einer Emnid-Meinungsumfrage für den "Focus" begrüßten 76 Prozent die Forderung nach einer Impf-Pflicht für Masern, 17 Prozent waren dagegen.

In Berlin stieg die Zahl der gemeldeten Masernerkrankungen weiter stark an: Allein von Mittwoch bis Donnerstag wurden 28 neue Fälle registriert, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales mitteilte. Seit Wochenbeginn sind es fast 70 neue Erkrankungen. Seit Beginn des Ausbruchs im vergangenen Oktober stieg die Zahl damit auf 637. Der Masern-Ausbruch in Berlin lässt die Nachfrage nach dem entsprechenden Impf-Stoff bundesweit deutlich steigen. Gleich nachdem der Maserntod eines Kleinkindes bekanntgeworden sei, hätten die Bestellungen von Montag auf Dienstag je nach Region teilweise um das Fünffache zugenommen, berichtete ein Sprecher des Pharmagroßhändlers Sanacorp der Tageszeitung "Die Welt".

Meier: "Impf-Rate anheben"

Der CSU-Gesundheitspolitiker Reiner Meier aus Tirschenreuth sieht Impfungen als Herzstück eines geplanten Präventionsgesetzes. Das teilte er am Donnerstag zusammen mit seinen Bundestagskollegen Heiko Schmelzle (CDU) und Erich Irlstorfer (CSU) nach einem Treffen mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU), mit.

Elemente eines Positionspapiers der Unions-Arbeitsgruppe Gesundheit zur Stärkung des Impf-Wesens fänden sich im Gesetzentwurf wieder. Die Abgeordneten nennen unter anderem die "Pflicht zum Nachweis von Impf-Beratung und Impf-Status vor Eintritt in die Kita" und die "Erweiterung der Vorsorgeuntersuchungen ab dem 18. Lebensjahr um eine verpflichtende Impf-Beratung". "Wir müssen im Rahmen des Präventionsgesetzes alles dafür tun, um eine spürbare Anhebung der Impf-Raten zu erreichen", fordert Meier. So müsse auch "ein Weg gefunden werden, Krankenkassen zu motivieren, in Impf-Programme zu investieren".
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