Dicke Fragezeichen über die Rolle der Augsburger Ermittler im Untersuchungsausschuss Labor
Ermittlungen im Eiltempo

Man muss sich im Fall Schottdorf nicht mit Inhalten oder gar juristischen Feinheiten auseinandersetzen, um an diesem Montag ins Grübeln zu kommen. Es reicht, wenn man sich die Zeitabläufe vor Augen führt, die im Untersuchungsausschuss Labor über Stunden hinweg ausführlich erörtert werden. Als Zeuge geladen ist der damalige Augsburger Staatsanwalt Wolfgang Natale. Er hat - so räumt er ein - die Einstellung der Ermittlungen gegen den Laborunternehmer Bernd Schottdorf Anfang 2009 maßgeblich und im Eiltempo betrieben.

Die Situation damals: Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelte bereits seit zwei Jahren gegen Schottdorf und dessen Kunden in der niedergelassenen Ärzteschaft. Im Visier: das Abrechnungssystem, das Schottdorf und seine Kunden praktizierten. Der Laborarzt gewährte tausenden niedergelassenen Ärzten Rabatt auf Laboruntersuchungen bei Privatpatienten. Diese rechneten die Analyse der Laborproben dann unter eigenem Namen ab, Schottdorfs Rabatt verblieb ihnen als Zubrot.

Im Laufe des Jahres 2008 wird das Großverfahren zur großen Überraschung der Münchener Kollegen an Augsburg abgegeben - wesentliche Teile am 28. November. Dann dauert es keine drei Wochen, bis Natale einen Vermerk anfertigt, in dem er seine Rechtsauffassung festhält: dass kein Betrugsschaden zu bejahen sei. Die Akten habe er zwar zu dem Zeitpunkt noch nicht vollständig gelesen gehabt - das sei aber zur "Beurteilung einer Rechtsfrage" auch nicht nötig gewesen.

Wenige Wochen nach diesem Vermerk vom 15. Dezember wird das Verfahren tatsächlich eingestellt - von Natales Nachfolgerin Daniela Lichti-Rödl. Denn Natale fängt am 16. Januar bei der Generalstaatsanwaltschaft an. Die Einstellungsverfügung aber entspricht von Inhalt und Wortlaut her Natales Vermerk. "Ich gehe davon aus, dass die wesentlichen Inhalte von mir stammen."

Bemerkenswert an dem Vorgang: In München hat die Staatsanwaltschaft zu dem Zeitpunkt bereits ein Pilotverfahren gegen einen betrügerischen Arzt angestrengt - das die Augsburger Kollegen aber nicht abwarten. Und bemerkenswert auch: Die beiden Behörden übergeordnete Generalstaatsanwaltschaft lässt Augsburg ganz bewusst gewähren. Sie unterstützt die Einstellung der Betrugsermittlungen - während "ihre" Staatsanwälte in München wegen Betrugs anklagen.
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