Die Ausreisewelle rollt

Als Anhänger rekrutieren sie gerne junge, orientierungslose Männer und Frauen. Manche sind am Ende so fanatisiert, dass sie sogar bereit sind, von Deutschland aus in den "Heiligen Krieg" zu ziehen. Das will Bayern nun verhindern.

Mit einer Aufklärungskampagne will der Freistaat gegen radikal-islamische Salafisten vorgehen. Dabei setze man auf umfassende Information über die salafistische Bewegung in Deutschland, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in Nürnberg bei der Vorstellung einer Informationsbroschüre. Junge Leute würden dabei nicht nur über die geistigen Wurzeln des Salafismus informiert, sondern auch über fragwürdige Methoden bei der Rekrutierung neuer Anhänger. Es müsse verhindert werden, dass junge Leute so fanatisiert würden, dass sie sogar vor einem Einsatz in Bürgerkriegsgebieten nicht zurückschreckten, sagte Herrmann.

Bislang 450 Kämpfer

Bisher haben nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer 450 junge Islamisten Deutschland verlassen, um im Irak und Syrien für einen islamischen Gottesstaat zu kämpfen. In Bayern seien es 40 - "mit steigender Tendenz", sagte Minister Herrmann. Die Ausreisewelle gewaltorientierter Salafisten rolle weiter.

Gerade wegen der zur Zeit aufgeheizten Stimmung im Zusammenhang mit den Kämpfen um die syrische Grenzstadt Kobane sei bis zum Jahresende mit weiter steigenden Ausreisezahlen zu rechnen, ergänzte der Präsident des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Burkhard Körner. Nach Körners Beobachtungen ist rund ein Drittel der Ausgereisten inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Nur ganz wenige würden sich danach vom radikalen Islam abwenden. "Die allermeisten kehren in die islamistischen Strukturen zurück - aber nicht unbedingt um Anschläge in Deutschland zu verüben", machte Körner deutlich. Trotzdem gebe es Hinweise, dass vor allem die Terrormiliz IS solche Rückkehrer in letzter Zeit mit Anschlägen beauftragt habe. "Davon ist auch Deutschland betroffen."

Unter Flüchtlinge mischen

Besorgt zeigte sich der bayerische Innenminister auch über die zunehmenden Ausschreitungen zwischen Anhängern der radikal-islamischen Salafisten und Kurden in der Bundesrepublik. "Damit wird eine Konfrontation in einem Maße nach Deutschland getragen, wie wir es bisher kaum erlebt haben", sagte Herrmann. Er schloss auch nicht aus, dass sich gewaltbereite islamistische Aktivisten unter die Flüchtlingsgruppen mischten. "Hier sehe ich ein sehr großes Risiko", unterstrich der CSU-Politiker. Dies werde noch dadurch verstärkt, dass die italienischen Behörden viele Flüchtlinge unregistriert nach Deutschland weiterschickten. Dies halte er auch aus Gründen der Terrorabwehr für unverantwortbar.
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