Die Beruflichen Oberschulen als Scharnier zwischen klassischer Schulkarriere, dualer Ausbildung ...
Alle Wege bleiben offen

Die ganze Welt beneidet Deutschland um sein System der dualen Berufsausbildung. Wer sich nach der Schule dafür entschließt, hält sich alle Optionen offen - auch den späteren Gang an eine Hochschule. Den Beruflichen Oberschulen kommt dabei eine wichtige Brückenfunktion zu.

Chancen verbessern

"Viele unserer Schüler wissen noch nicht, für welchen Beruf, sie sich entscheiden sollen, andere bringen bereits eine Berufsausbildung mit und wollen sich neu orientieren oder ganz einfach ihre Basisqualifikationen erhöhen und ihre Ausgangs-chancen verbessern", erklärt Gabriele Dill, Direktorin der Beruflichen Oberschule in Weiden.

Zwei Schularten

Tatsächlich ruht die Berufliche Oberschule auf zwei Säulen, der beruflichen und der Allgemeinbildung. Sie fasst zwei Schularten zusammen, die Fach- (FOS) und die Berufsoberschule (BOS). Während sich die Fachoberschule primär an Schüler mit mittleren Abschlüssen richtet, die noch nicht über einen beruflichen Abschluss verfügen, wendet sich die Berufsoberschule an junge Menschen, die bereits eine duale Berufsausbildung hinter sich haben. Beide Schularten haben die Hochschuleignung zum Ziel.

An der FOS wird die Fachhochschulreife ("Fachabitur"), die zum Studium an allen deutschen Fachhochschulen berechtigt, nach zwei Jahren erworben (11./12. Klasse). Die BOS beginnt mit der 12. Klasse, an deren Ende ebenfalls das Fachabitur steht.

Schüler beider Schularten können danach noch eine 13. Klasse anhängen. Sie schließt mit der fachgebundenen Hochschulreife ab und berechtigt zum Studium an einer Fachhochschule beziehungsweise - fachgebunden - einer Universität.

Vollwertiges Abitur

Und auf eine weitere Möglichkeit weist die Weidener Schulleiterin hin: "Wer neben Englisch noch eine zusätzliche Fremdsprache erfolgreich belegt, schließt sogar mit dem allgemeinen Abitur ab, hat also die gleiche Studienberechtigung wie Absolventen eines Gymnasiums." Alle Wege bleiben damit offen: "Es gibt mittlerweile sogar Professoren an der benachbarten Ostbayerischen Technischen Hochschule, die bei uns ihr Abitur gemacht haben", wirbt Gabriele Dill für ihre Schule. "Ein großer Vorteil der FOS/BOS liegt meines Erachtens darin, dass wir den Schülern ein passgenaues Angebot machen. So bieten wir zum Beispiel Vorkurse, Vorklassen, Förder- und Ergänzungsunterricht an, so dass Schüler, die nach der Berufsausbildung Wissensdefizite haben, gezielt an das Niveau der Schule herangeführt werden."

Und: Die Schüler wählen einen Schwerpunkt, der ihren Wünschen am besten entspricht. In Bayern werden derzeit die Ausbildungsrichtungen "Technik", "Wirtschaft und Verwaltung", "Sozialwesen", "Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie", "Gesundheit", "Internationales Management" und "Gestaltung" angeboten.

Allerdings existieren in der Regel nicht alle Ausbildungsgänge an jeder FOS/BOS. "Internationales Management" und "Gestaltung" etwa werden an den staatlichen Einrichtungen in der Oberpfalz ausschließlich an der FOS/BOS Weiden offeriert (ein privates Angebot "Gestaltung" existiert an der Herder-Schule in Pielenhofen), "Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie" gibt es nur in Schwandorf, "Gesundheit" lediglich in Regensburg.

Wesentliches Element der 11. Jahrgangsstufe ist die "fachpraktische Ausbildung", die sich im Zwei-Wochen-Rhythmus mit dem theoretischen Unterricht abwechselt. "Schüler, die von der Realschule, der Wirtschaftsschule, der Mittelschule oder dem Gymnasium zu uns stoßen, sammeln nicht nur wertvolle Praxiserfahrung, sie bekommen auch ein Gespür dafür, ob ihnen bestimmte Berufe liegen oder nicht", hebt Dill einen weiteren Vorteil ihrer Schule hervor.

Das könne eine wichtige Entscheidungsgrundlage für eine spätere Berufsausbildung sein. Vermeintliche "Theoretiker" finden so unter Umständen statt an die Hochschule doch in die duale Berufsausbildung - und umgekehrt praktisch veranlagte Menschen zum Studium.

Allgemeinbildung

Während die 11. Klasse zum Teil in Praktikumsbetrieben verbracht wird, sind die Schüler in der 12. und 13. Klasse an der Schule. In allen Ausbildungswegen werden die Schüler in Mathematik, Deutsch, Englisch, Geschichte und Sozialkunde, Religion und Sport unterrichtet.

Weitere Angebote

Der weitere Fächerkanon orientiert sich an der gewählten Fachrichtung. Dazu kommen individuelle Zusatzangebote der Schulen, wie in Weiden etwa das Schülertheater oder der Austausch mit Schulen im Ausland.
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