"Die Dörfer sterben aus"

Das erlebt Landtagsabgeordnete Angelika Schorer auch nicht alle Tage: Während der Betriebsbesichtigung bei Familie Schöner werden zwei Kälbchen geboren.

Die Landwirtschaft prägt den Landkreis, ist Garant für den Erhalt der Kulturlandschaft und eine Stütze für die Wirtschaft. Der CSU-Kreisverband lud deshalb bei den "Zukunftswochen" zu einem Diskussionsabend (Bericht folgt) mit der Vorsitzenden des Landwirtschaftsausschusses, MdL Angelika Schorer, ein. Vorher besichtigte sie die Betriebe von Klaus Schöner und Lohnunternehmen&Agrarservice Georg Rubenbauer.

Besuch bei Landfrauen

Eine große Zahl Interessierter hatte sich an den neu gebauten Ställen von Marktrat, Ortsvorsitzenden und Landwirt Georg Rubenbauer eingefunden, der zusammen mit Frau Nicole und den Kindern die Führung übernahm. Gemeinsam mit MdL Tobias Reiß interessierte sich Angelika Schorer (Milchviehbäuerin aus dem Ost-Allgäu) über die Anliegen moderner Landwirtschaftsbetriebe im Stiftland. Nachmittags war sie bereits bei den Landfrauen auf dem "Gowerlhof" und bei den Teichwirten im Betrieb von Alfred Stier.

Nicole und Klaus Schöner haben rund 105 Milchkühe, dazu kommt die weibliche Nachzucht, so dass rund 220 Stück Milchvieh in den neu errichteten Ställen stehen. Zu bewirtschaften sind 99 Hektar Land und vier Hektar Wald. 60 Hektar sind zugepachtet (Getreide, Kleegras und Silomais). Klaus Schöner berichtete, dass schon sein Vater immer investiert hat. 1979 wurde der erste Laufstall gebaut. Schon 1984 - mit dem Milchkontingent - wurde über das Aussiedeln nachgedacht. Mit 32, vor 17 Jahren, übernahm Klaus Schöner den Hof. Laufend folgten Investitionen. Als jüngste Maßnahme konnte im vergangenen Jahr der Stallbau (2900 qm mit Melkhaus, Vorwartehof, Abkälberstall, Melkkarussel, Krankenbereich usw.) abgeschlossen werden. Kritisch sah Klaus Schöner die ganze moderne Technik, die nur noch auf Großbetriebe bzw. große Mengen ausgelegt sei. Um die Arbeit zu schaffen, brauche er Fremdarbeitskräfte. "Es bleibt einem nichts anderes übrig als mitzumachen", bedauerte der Landwirt.

Zwei Patente

Georg Rubenbauer hat vor 22 Jahren mit rund 500 Mastschweinen begonnen und war damals der drittgrößte Schweinebetrieb in der Gegend - heute ist er mit der kleinste. Wegen der Milchquote und den Auflagen hat Rubenbauer auf "Lohnunternehmer" umgesattelt. Begonnen hat er mit dem Pressen. Heute betreut er 800 Kunden, wobei ihm vier Festangestellte helfen. Georg Rubenbauer hat immer noch Schweine, hat 110 Hektar Grund zu bearbeiten und Grund in Tschechien gepachtet. Es wurden immer größere und mehr Maschinen angeschafft. Heute umfasst der Fuhrpark unter anderem fünf Pressen, Häcksler, zwei fahrbare Schrotmühlen und Lastwagen. Außerdem ist Georg Rubenbauer unter die Erfinder gegangen, er hat zwei Patente (Reinigungssystem für Großpackenpresse und Kennzeichnung der Hydraulikschläuche).

"Die Dörfer sterben aus", kritisierte Georg Rubenbauer. Die Ställe stehen wegen des "Gestanks" inzwischen meist außerhalb der Dörfer. Für die Landwirte bedeute dies mehr Arbeit, auch die Aufzucht der Jungtiere erschwert sich dadurch.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.