"Die Erkenntnis muss nach München"

Wenn Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg das Wort ergreift, spricht er zumeist Klartext. Bei der Rotwildschau auf Gut Heringnohe nahm sich der Hegegemeinschaftsleiter Nord diesmal die Staatsregierung vor. Er verglich konventionelle und biologische Landwirtschaft mit Forstwirtschaft und Wildtiermanagement.

"Ein schönes Beispiel für bayerisch-staatliche Inkonsequenz" habe er gefunden: Die Bio-Landwirtschaft solle staatlicherseits von zwei auf vier Prozent Marktanteil verdoppelt werden. Oberster Grundsatz der biologischen Landwirtschaft sei die Akzeptanz der Verhältnisse vor Ort. Mit Intelligenz, Klugheit, Fachwissen und Erfahrung versuche man, Faktoren wie Boden, Unkräuter, Schadinsekten, Trockenheit oder Nässe so zu beeinflussen, dass trotzdem guter Ertrag möglich sei.

Im Vergleich zu künstlichem Dünger und chemischen Spritzmitteln sei dies anspruchsvoller, funktioniere aber. Hier sah Eberhard von Gemmingen-Hornberg Parallelen zum Forst: Bei Wildschäden werde als einziges Rezept eine Erhöhung des Abschusses verlangt. Zu mehr reiche es nicht. Übertragen auf die konventionelle Landwirtschaft heiße das: "Böse Insekten in meinem Feld - Giftspritze rausholen!"

Es gebe aber überall in Bayern Beispiele, dass das einfach nicht funktioniere, weil auch wachsender Jagddruck Schäden steigen lasse. "Die bayerische Regierung fördert die Bio-Landwirtschaft massiv, unterdrückt aber die gleichen intelligenten Lösungen in der Forstwirtschaft."

Die würden nämlich heißen: Ruhezonen, Intervall-Jagd, kürzere Jagdzeiten, Intelligenz, Kreativität. "Was wir aus München aber bekommen, ist Wald vor Wild." In Bayern gebe es ganz neu einen Lehrstuhl für biologische Landwirtschaft - "selbstverständlich existiert nichts Vergleichbares auf dem Gebiet der Wildtier-Biologie". Konsequenz und Klugheit hingen irgendwie zusammen, "aber das ist inkonsequent".

Ein einseitiges und destruktives Forstgesetz verhindere jede Kreativität im Bereich Forstwirtschaft und Wildtiere. "Es wird höchste Zeit, dass diese Erkenntnis in Münchner Köpfen ankommt", stellte der Freiherr an den Schluss seines Appells. (ge)
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