Die "Generation 60 plus" stellt aber besondere Ansprüche an ihre Mobilität auf Rädern
Autoträume kennen kein Alter

Die eigenen Mobilität steht bei der "Generation 60 plus" besonders hoch im Kurs. Die Anforderungen an ein Fahrzeug unterscheiden sich von denen jüngerer Autofahrer. Bild:DVR
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Deutschland und die Welt
19.04.2012
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Autohersteller kennen ihre Zielgruppen. Behaupten sie zumindest. Seit Generation beten Marketingleute die wichtigsten Merkmale herunter, egal ob es sich um einen japanischen Kleinwagen, die deutsche Mittelklasse oder italienische Sport-Exoten handelt.

Danach ist der künftige Kunde nicht älter als 25, akademisch ausgebildet und promoviert. Er verfügt über ein Haushaltseinkommen ab 6000 Euro netto, sein Lebensstil ist freizeitorientiert, multikulturell und urban zivilisiert.

Eine Studie der Universität Duisburg-Essen dagegen hat 2010 das Durchschnittsalter deutscher Neuwagen-Käufer mit 50,8 Jahren ermittelt. Mercedes-Käufer waren danach 56,1 Jahre alt, BMW-Kunden 53,1 und Besitzer neuer Audis zählten immerhin noch 50,8 Lenze.

Bereits 2020 wird Studien zufolge jeder zweite Bundesbürger 60 Jahre oder älter sein. Gerade diese Generation legt besonderen Wert auf die Qualität ihrer persönlichen Mobilität. Denn sie verfügt nicht nur über die Mittel, sondern auch über die notwendige Zeit, diese Mobilität zu nutzen. Bis heute zeigt aber kein Fahrzeughersteller soviel Mumm und Selbstvertrauen, dass er besondere Aspekte seiner Modelle als "seniorengerecht" vermarktet. Frisches Design, hohe Funktionalität und ein gutes Image fürs persönliche Prestige stehen ganz oben auf der Wunschliste. Ältere Menschen neigen trotz eines kleinen eigenen Haushalts dazu, beim Fahrzeugkauf den Transportbedarf für Kinder und Enkel eng in die Kalkulation einzubeziehen.
Eine erhöhte Sitzposition gewährleistet nicht nur ein bequemeres Ein- und Aussteigen. Auch die Übersicht auf das Fahrzeuggeschehen ist besser. Wenn das Alter die Gelenkigkeit reduziert, helfen beim Rangieren Einparkhilfen und Rückfahrkameras, die schon lange nicht mehr als Privileg der Ober- und Luxusklasse gelten.

Als Faustregel gilt: Beim Aussteigen sollte der Kniewinkel bei einem auf die Fahrbahn gestellten Fuß mindestens 90 Grad betragen. Das reduziert den Kraftaufwand deutlich. Die Sitzhöhe, gemessen von Fahrbahn bis zur Sitzfläche, hat mindestens 60 Zentimeter zu betragen, die Einstiegshöhe von Fahrbahn zu Dachkante sollte 120 Zentimeter nicht unterschreiten.

Nicht von ungefähr ist der Golf Plus der Liebling der Senioren, gefolgt vom Opel Meriva. Auch die B-Klasse von Mercedes und die Toyota-Modelle RAV4 und Verso stehen hoch im Kurs. Eine gute Ergonomie und ausreichend Verstellmöglichkeiten bei Sitzen und Lenkrad qualifizieren jedes Fahrzeug, unabhängig vom Alter des Käufers. Eine wichtige Rolle spielen die Bedienkräfte.
Da kann eine elektrische Parkbremse gute Dienste leisten. Gern bestellen ältere Käufer eine Automatik. Die Entscheidung ist eigentlich weniger altersbedingter körperlicher Reduktion geschuldet als vielmehr der Vernunft. Moderne Schaltautomaten mit ihren elektronischen Steuerungen wechseln die Gangstufen schneller, präziser und wirtschaftlicher als jeder Mensch. Keine Kaufentscheidung ohne ausgiebige Probefahrt. Sind Ein- und Ausstieg bequem? Ist die Sitzposition optimal für jedes körperliche Format einstellbar? Ist die Bedienung einfach und intuitiv? Gibt es nicht zu viel elektronischen Schnickschnack, der nur ablenkt und viel zu umständlich zu bedienen ist? (mid)
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