Die Grenzen der Justiz
Angemerkt

Der Unmut im Hofer Gerichtssaal war groß: Eine 53-Jährige kommt nicht ins Gefängnis, obwohl sie zwei Babys nach der Geburt sterben ließ. Sie kümmerte sich nicht um sie. Ihr Mann offenbar auch nicht. Die Frau verpackte die Winzlinge in Plastiktüten und vergrub sie im Garten. Eine Tat, die niemanden kalt lässt.

Das Gericht darf sich nicht von Gefühlen leiten lassen. Ein Mord war nicht nachweisbar, weil die Todesursache der Babys unklar blieb. Ein möglicher Totschlag ist verjährt, die Tat ereignete sich in den 80er Jahren. So sehr der Freispruch sprachlos macht - er ist folgerichtig. Und er zeigt die Grenzen der Justiz.

frank.werner@derneuetag.de

Hintergrund

Seit 1979 gilt in Deutschland: Mord verjährt nicht. Damals wurde das Strafgesetzbuch (StGB) geändert, da Verbrechen aus dem Dritten Reich sonst möglicherweise verjährt wären. Wer als Mörder überführt wird, muss die Tat mit lebenslanger Haft büßen - das bedeutet mindestens 15 Jahre Gefängnis. Dafür müssen bestimmte Motive wie Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier oder andere niedrige Beweggründe erfüllt sein. Wer einen Menschen vorsätzlich tötet, ohne eines der Mordmerkmale zu erfüllen, wird wegen Totschlags nicht unter fünf Jahren Haft bestraft. Doch Totschlag kann verjähren - und zwar nach 20 Jahren. (dpa)
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