Die Journalisten und Dokumentarfilmer Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn haben der ...
"Harte Kost" ist nichts für schwache Mägen

Mehr Lebensmittel heißt nicht: mehr Mittel zum Leben. Je mehr Massentierhaltung auf unserem Planeten stattfindet, je mehr chemische Dünger, Pestizide und Gentechnik in der Landwirtschaft Einzug halten, desto schlimmer ist es um unsere Ernährung bestellt. Das jedenfalls sind die Grundthesen des neuen Buchs von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger, "Harte Kost". Thurn (51) ist mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer und Autor, Kreutzberger (53) ist freier Journalist, zudem Medienberater mit Schwerpunkt Umwelt- und Verbraucherthemen sowie Entwicklungspolitik. Gemeinsam haben die beiden Experten 2011 den Bestseller "Die Essensvernichter" verfasst, aus dem der vielbeachtete Kinofilm "Taste the Waste" hervorging, der mit diversen Preisen belohnt wurde.

Massenweise Monokulturen

Das Nachfolgebuch "Harte Kost" analysiert noch schonungsloser als der Vorgänger die aktuelle Ernährungssituation auf der Erde. Gleichzeitig schimmert Hoffnung durch, denn die beiden Autoren machten sich, so der Untertitel des Werks, "auf die Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt". Diese sind schwer zu finden: "Man muss zunächst mal bedenken, dass wir Menschen früher 8500 verschiedene Pflanzensorten aßen", schickt Valentin Thurn vorweg. "Heutzutage werden etwa acht Nutzpflanzen in großem Stil angebaut, konsumiert und auf dem Weltmarkt gehandelt." Stefan Kreutzberger fügt hinzu: "Die Lebensmittel- und die Gentechnikindustrie haben zur flächendeckenden Verbreitung von Monokulturen wie Mais, Soja oder Raps geführt, da mit den zugehörigen Patenten und Lizenzgebühren hohe Profite erwirtschaftet werden können." Wo Artenvielfalt durch Monokulturen ersetzt werde, sterbe die organische Bodensubstanz. "Wir rauben uns selbst den Humus für gesunde Ernährung. Und das nur, damit einige Wenige möglichst viel Reibach erzielen."

Es waren derartige Erkenntnisse, die Thurn und Kreutzberger veranlassten, quer durch die Welt zu reisen, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, wie Lebensmittel produziert werden. Wie Vertreter der Großindustrie auf der einen Seite agieren und Landwirte andererseits arbeiten. Die bittere Erkenntnis ihrer Forschungsfahrten: "Momentan ist dieser Mangel vorrangig in Ländern der Dritten Welt zu erkennen. Doch schnell kann er auch für uns in der privilegierten Ersten Welt ein Problem werden", sagt Valentin Thurn.

Umdenken ist nötig

Er schlussfolgert: "Sollten immer mehr Menschen immer weniger zu essen haben, wird durch diese Entwicklung automatisch der soziale Friede gestört. Und da die Bevölkerungszahl immer weiter zunimmt, könnte dieser Umstand das Hauptproblem der humanen Zukunft werden, noch vor Kriegen." Damit nicht genug: "Wenn nicht bald ein Umdenken in unserer Konsumgesellschaft einsetzt", sagt Kreutzberger, "wenn wir weiterhin bis zu 40 Prozent unserer Lebensmittel, obwohl sie genießbar sind, in den Müll werfen; wenn wir es zulassen, dass fruchtbarer Boden verschwindet, Wasser zur Mangelware wird und Ackerflächen weiter Spekulationsmasse bleiben - dann sehe ich schwarz."

Auch Valentin Thurn hält düstere Prognosen für den Homo Sapiens bereit: "Hunger ist heutzutage erst mal mit dem Mangel an Kaufkraft gleichzusetzen", sagt er. "Nur lokaler Anbau weltweit würde das Problem steigender Lebensmittelknappheit effizient lösen. Um das in den Griff zu bekommen, helfen die Lösungsvorschläge der Industrie nicht weiter: Chemie, Gentechnik, Massentierhaltung. Dadurch treibt man den Teufel mit Beelzebub aus."

Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hat sich das Autorenteam mit Biobauern und Nahrungsmittel- spekulanten getroffen, urbane Gärten und Industrieschlachthöfe besucht, Insektenfarmen und Genlachs-Farmen. Wieder ist ein Film aus dem Material entstanden, der im Frühjahr 2015 in die Kinos kommt.

"Tatsächlich müssen Leser wie Kinobesucher bei uns eine Menge Finsternis durchwaten", seufzt Valentin Thurn. "Aber ich kann halbwegs beruhigen: Trotz des gigantischen Nahrungsproblems gibt es Lösungen. Es muss nur jeder einzelne von uns bereit sein, etwas zu tun, um aus der Erde einen besseren Ort zu machen."

Stefan Kreutzberger, Valentin Thurn: "Harte Kost", Ludwig-Verlag (Random House), 320 Seiten, 16,99 Euro.
Weitere Beiträge zu den Themen: Nutzpflanzen (31)12-2014 (6638)
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