Die Mass für sechs Pfennige

Überliefert ist, dass die Bewohner des Vilstals "fast kein anderes Getränk konsumierten": Kein Wunder, schließlich kostete die Mass Bier im Lengenfelder Wirtshaus einst nur sechs Pfennige. Geschichten wie diese, vor allem aber viele historische Bilder, vereint jetzt ein Buch über den Ort.

Gut besucht war der Kümmersbrucker Rathaussaal - natürlich, weil viele Lengenfelder bei der offiziellen Buchvorstellung dabei sein wollten. Aber auch aus den anderen Ortsteilen waren Interessenten gekommen.

Lebendige Ortsteile

Bürgermeister Roland Strehl war sehr erfreut über diese große Resonanz - aber auch darüber, dass die Kümmersbrucker Ortschaften immer mehr aufleben. Als Beispiele nannte er Köfering mit seinem Heimat- und Kulturverein oder die Dorfgemeinschaft in Moos: Jeder Verein lasse sich immer etwas Neues einfallen und stellt dann auch etwas Tolles auf die Beine. "Selbstverständlich war es kein Thema, dass diese Vorstellung im Rathaus stattfindet", betonte Martin Pechtl.

Gemeinsam mit Christian Birner und Anja Stauber-Mäschl stellte er das Bilderbuch "Lengenfeld in alten und neuen Ansichten" vor. Bei einem kleinen Streifzug durch das Werk sah man zwar manche fragenden Gesichter im Zuhörerkreis - offenbar hörten einige von manchen ehemaligen Lengenfelder Einrichtungen und Begebenheiten zum ersten Mal. Ältere Gäste dagegen können sich an vieles davon sogar noch selbst erinnern.

Das Gotteshaus in Lengenfeld, die größte der Filialkirchen der Pfarrei Kümmersbruck, ist heute eine Wendelinikirche. Erbaut und geweiht wurde sie 1697 aber zu Ehren des heiligen Sebastian. 1858 brannte die Kirche bis auf die Grundmauer ab, wurde 1860 aber wieder aufgebaut.

Auch mit Wirtshäusern war Lengenfeld einst gesegnet. Von 1694 stammen erste Aufzeichnungen davon, dass Hans Rubenbauer um die Errichtung eines Brauhauses ersuchte. Dieses Wirtshaus wurde dann sogar überregional bekannt - der Mass-Preis von nur sechs Pfennigen war offenbar konkurrenzlos. Gasthaus Hirzinger war wohl der bekannteste Name dieser Institution. 1983 musste sie der Staatsstraße weichen, die heute noch durch Lengenfeld führt. Auch Mühlen und Steinbrüche gab es damals in der Ortschaft, wie alte Aufnahmen zeigen.

Hausnamen im Blick

Am Ende überreichte Reinhold Rösl, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, Bürgermeister Roland Strehl noch ein besonderes Andenken: das Deckblatt des Buches, auf Leinwand gedruckt. "Wir Lengenfelder kommen ja nicht mit leeren Händen ins Rathaus", merkte Rösl dazu an. (Blickpunkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2015 (2649)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.