Die Mordserie

Insgesamt legten die Ermittler dem Mittagsmörder sieben Morde, zwei Raubüberfälle, zwei versuchte Raubüberfälle und 22 andere Straftaten zur Last. Drei Dienststellen der Kriminalpolizei - in Nürnberg, Lauf und Neustadt an der Waldnaab - beschäftigten sich zwischen 1960 und 1965 mit den Taten. Erst dann gründete die Polizei eine Sonderkommission, die alle Erkenntnisse zusammentrug. In allen Fällen wollte der Täter wohl schnell an Geld kommen. Er schoss, um seine Überfälle zu vertuschen.

Mord an der Haustür

Der erste Mord geschieht am 22. April 1960 in der Nürnberger Tuchergartenstraße. Dort will der Täter eine Frau ausrauben, die er für wohlhabend hält. An der Wohnungstür öffnet deren Schwiegertochter. Es kommt es zu einem Gerangel, die Türöffnerin schreit um Hilfe. Als ein Mann (54) und eine weitere Frau (42) aus der Wohnung eilen, um zu helfen, drückt der Mörder ab. Die Schüsse sind für die beiden Helfer tödlich. Der Schütze will auch noch die Wohnungsinhaberin erschießen, doch die Waffe versagt ihren Dienst. Er flüchtet unerkannt.

Schüsse in der Sparkasse

Am 10. September 1962 überfällt der Mittagsmörder die Sparkasse in Ochenbruck (Kreis Nürnberger Land). Der Angestellte hinter dem Schalter ist allein im Raum. Als der Kassier den Alarmknopf drücken will, schießt der Täter. Zwei Kugeln durchschlagen das Herz, eine den Kopf. Der Mittagsmörder flieht mit 3060 D-Mark auf einem gestohlenen Motorrad. Etwa ein Jahr zuvor hatte er bereits die Sparkassenfiliale im benachbarten Leinburg ausgeraubt. Dabei erbeutete er 3000 D-Mark, schoss aber nicht.

Der nächste Banküberfall

Nur zehn Wochen nach dem Raubmord in Ochenbruck, heulen in Neuhaus an der Pegnitz die Alarmsirenen. Wieder will der Mittagsmörder in einer Sparkasse Beute machen. Als ein Kunde eine falsche Bewegung macht, drückt der Täter auf den Abzug. Der 58-jährige Mann verblutet im Schalterraum. Diesmal flüchtet der Gesuchte mit 5160 D-Mark in einem gestohlenen Volkswagen. Das Auto wird später am Grauen Felsen bei Stöppach gefunden. Die Sparkasse und das Landeskriminalamt setzen eine Belohnung von 4000 D-Mark aus.

Tod in der Werkstatt

Auch dieser Doppelmord wurde dem Mittagsmörder vorgeworfen: Am 29. März 1963 soll er einen Waffenladen in Nürnberg überfallen haben. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit der Geschäftsinhaberin (57). Als sich deren 37 Jahre alter Sohn einmischt, entsteht ein Gerangel, in dessen Verlauf zuerst die Frau und dann der Sohn tödliche Schüsse erleiden. Für die Tat gibt es jedoch keine Zeugen.

Amok in der Innenstadt

Zum Verhängnis wird dem Mittagsmörder ein Handtaschenraub in der Nürnberger Innenstadt. Am 1. Juni 1965 versucht er sich zuerst im Kaufhaus Hertie, dann bei C&A Brenninkmeyer. Der zweite Raub läuft völlig aus dem Ruder. Die Bestohlene ruft um Hilfe, zwischen den Regalen bricht Tumult aus. Einen Mann, der den Flüchtenden festhalten will, treffen zwei Projektile. Er überlebt durch viel Glück. Der Hausmeister des Kaufhauses hingegen stirbt an fünf Schüssen in die Brust. Draußen auf dem Gehsteig wird ein weiterer Mann lebensgefährlich verletzt. Einem Passanten und zwei Beamten der Schutzpolizei gelingt es schließlich, den Täter zu überwältigen. Der Mittagsmörder sitzt in Untersuchungshaft. (upl)
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