Diskussion um das Bürgerspitalareal
Öffentliche Garage kein Tabu

Das leere Bürgerspitalgelände braucht eine öffentliche Garage, die zum Beispiel über die Bahnhofstraße angebunden werden kann, meint der Amberger Branchenkenner Ulrich Schmid. Das würde nach seiner Ansicht auch das Ex-Kaufhaus Forum "zum Laufen bringen". Bild: Steinbacher
Amberg. (ath) Der Stadtrat hat sie bisher abgelehnt: eine öffentliche Garage auf dem Bürgerspitalareal. Genau die fordert Dr. Ulrich Schmid und findet, dass dies in der neu einsetzenden Debatte ums Forum und die Nutzung des Altenheimgeländes kein Tabu sein darf. Er glaubt gar, dass sich die Altstadt nur mit einer öffentlichen Garage effektiv entwickelt.

"Ich scheue mich nicht, das zu sagen, weil ich weiß, dass es richtig ist", betont Ulrich Schmid und zitiert "Fachleute, die mir sofort recht geben". Im Grunde gilt der Amberger Steuerberater und Rechtsbeistand mit diversen eigenen Immobilien und ihrer erfolgreichen Vermarktung in Amberg selber als Experte in der Branche. Auch weil er für Mandanten solche Projekte abwickelt - teils bundesweit. Die AZ fragte ihn nach seiner Meinung zu den derzeit heiß diskutierten Themen.

Braucht Amberg am Altstadtrand weitere Parkmöglichkeiten, wie sie Baureferent Markus Kühne zuletzt ins Spiel gebracht hat?

Grundsätzlich freue ich mich sehr, dass unser Baureferent sich ohne Scheuklappen und Vorbehalte fundierte Gedanken über das Parken in Amberg macht. Natürlich besteht auch außerhalb der Altstadt punktueller Bedarf, wie zum Beispiel beim Klinikum. Generell gilt, dass ein Parkplatz möglichst zentrumsnah für die Altstadt wesentlich mehr bringt, als am Altstadtrand.

Manche von Kühnes Ideen, wie zum Beispiel eine eingegrünte Hochgarage samt Ladenzeile am Multifunktionsplatz und eine weitere bei der Hochschule klingen doch gut. Wo liegt das Problem?

Der Baureferent mag die besten Ideen haben. Wenn aber hierfür keine geeigneten Grundstücke zur Verfügung stehen, bleiben diese Luftschlösser. Da der Multifunktionsplatz jedoch grundsätzlich verfügbar ist, kann seine Idee auch tatsächlich umgesetzt werden. Dies sollte so schnell wie möglich geschehen. Auch die Hochgarage bei der Hochschule brächte sicherlich Vorteile, allerdings mehr für die dortigen Anlieger, als für die Altstadt.

Was ist also nach Ihrer Ansicht die bessere Lösung für die Innenstadt, insbesondere die östliche Altstadt mit dem Bereich Forum und Bürgerspitalareal?

Die Stadt Amberg besitzt das Spitalgelände und kann, wie es aussieht, auch das Forum-Gelände mit entwickeln. Sie hat es damit in der Hand, einen entscheidenden und dringend notwendigen Impuls für die Wiederbelebung der Altstadt zu setzen. Diese Chance darf nicht vertan werden. Um den Exodus von Dienstleistern wie Anwälten, Ärzten, Notaren und der immer weiter um sich greifenden Leerstandsproblematik zu begegnen, ist auf diesem Gelände die Errichtung einer gut erreichbaren und ausreichend großen, öffentlichen Parkgarage unerlässlich.

Dafür müsste ja wohl die Bahnhofstraße geöffnet werden, oder?

Für die Ein- und Ausfahrt zur Parkgarage gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wichtig ist, dass die An- und Abfahrtswege benutzerfreundlich konzipiert werden. Was die Verkehrsführung anlangt, so sollte diese insgesamt neu überdacht werden. Es ist einfach ein Unding, dass die Bahnhofstraße als Aorta der Altstadt nach rund 100 Metern abgeschnürt wird. Der fließende Verkehr wird entweder in Richtung Ziegel- oder Nabburger Tor, in jedem Fall also wieder aus der Altstadt hinaus, verwiesen. Das Siechtum der Unteren Nabburger Straße kommt nicht von ungefähr. Man denke nur, welche "Weltreise" jemand machen muss, der mit dem Pkw in den vorderen Teil der Unteren Nabburger Straße gelangen will. Dies tun immer weniger mit den bekannten Folgen.

In größeren Städten, stehen Parkhäuser oder Tiefgaragen tatsächlich mitten in der Stadt. Warum tut sich Amberg damit so schwer?

Sie haben recht. Andere Städte wie zum Beispiel Schweinfurt haben es längst vorgemacht und Parkhäuser bzw. Tiefgaragen im Stadtzentrum errichtet. Für eine innerstädtische Entwicklung bildet stets eine gut erreichbare, ausreichend bemessene Parkgarage in zentraler Lage die Basis. Natürlich war es in unserer wunderschönen Altstadt aufgrund der dichten und häufig denkmalgeschützten Bebauung bislang nur schwer möglich, innerstädtisch eine größere Parkgarage zu errichten. Mit dem Abriss des Bürgerspitals steht aber nunmehr ein entsprechendes Gelände zur Verfügung. Frequenzerhöhung für die Innenstadt gibt es nur dann, wenn Besucher, Patienten und Kunden einen gut erreichbaren Parkraum vorfinden. Dies bedeutet ja nicht, dass man nur eine öffentliche Garage errichten sollte. Warum soll es denn nicht neben dem öffentlichen Teil auch eine dem Quartier vorbehaltene Nutzung geben? Nochmals: Öffentliche Stellplätze sind an dieser Stelle für den gesamten Stadtteil von entscheidender Bedeutung. Besonders natürlich für die künftigen Nutzer des Spitalgeländes. Aber auch die Chancen, gute Mieter für das Forum-Gelände zu finden, steigen natürlich erheblich.

Viele Dienstleister, Arztpraxen und Kanzleien haben die Altstadt schon verlassen. Würden sie denn zurückkehren, wenn Ihre Vorschläge umgesetzt würden?

Sie kehren dann zurück, wenn ihre Patienten und Mandanten etc. eine ähnlich gute Erreichbarkeit und Parkmöglichkeit vorfinden wie beispielsweise in der Marienstraße.

Wie sollte sich denn Ihrer Auffassung nach das Bürgerspitalareal entwickeln? Was passt dort hin - gerade im Hinblick darauf, dass sich mit der Entwicklung des Forums etwas zu tun scheint.

Bürgerspital- und Forum-Gelände dürfen unter keinen Umständen getrennt entwickelt werden. Die einmalige Chance, die diese Liegenschaften zusammengefasst bieten können, sollte auch dazu benutzt werden, einen dringend in der Altstadt erforderlichen Lebensmittelvollsortimenter anzusiedeln. Der kommt natürlich nur dann, wenn seinen Kunden entsprechende Parkplätze zur Verfügung stehen. Die Ansiedlung eines derartigen Frequenzbringers wirkt sich auch äußerst positiv auf den gesamten Standort aus. Das Forum-Gelände wird für potenzielle Mieter wesentlich attraktiver. Der große Gewinner wäre ohne Zweifel die Altstadt.
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