Donnerschlag im Glutofen

Blitze zucken über dem Hafen von Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) während eines Gewitters über den Himmel. Mit der Hitze kommen auch Unwetter. Bild: dpa

Die Hitzewelle hat Deutschland einen neuen Temperaturrekord beschert: Im unterfränkischen Kitzingen wurden am Sonntag 40,3 Grad gemessen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes sagte.

(dpa/tos) Am bislang heißesten Wochenende des Jahres sind mindestens zwölf Menschen bei Badeunfällen in Deutschland ums Leben gekommen. Strände und Seen erlebten bei fast 40 Grad überall im Land einen gewaltigen Ansturm.

Auch an Land hatte die Hitze gefährliche Folgen. So kollabierten Erntearbeiter auf einem Feld. Waldgebiete und Wiesen brannten. Etliche Fernzüge fielen wegen defekter Klimaanlagen aus. Auf die Hitze folgten in einigen Regionen Unwetter.

Wie am Mittelmeer

Doch Hoch "Annelie" bescherte vielen Menschen auch ein perfektes Wochenende. Freibäder, Eisdielen und Biergärten waren ebenso heiß begehrt wie Brunnen und Planschbecken. Rimini-Feeling gab es an den deutschen Küsten: Die Ostsee sei "ihrem Ruf als besseres Mittelmeer" gerecht geworden, sagte ein Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Der Temperaturrekord wurde am Wochenende mit 40,4 Grad in Kitzingen geknackt. Am zweitheißesten war es am Samstag im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim mit 39,2 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. In der nördlichen und mittleren Oberpfalz stieg das Thermometer auf 33 bis 35 Grad. Die bisher höchste jemals gemessene Temperatur in Deutschland beträgt 40,2 Grad. Bevor am Dienstag die Temperaturen wieder auf mehr als 30 Grad klettern, soll heute eine Kaltfront generell für etwas Abkühlung sorgen.

65 255 Blitze in NRW

Dies haben starke Gewitter am Sonntag in Teilen Deutschlands bereits geschafft. In einigen Regionen gab es laut DWD auch heftigen Hagel. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Keller liefen voll. Heftiger Regen löste in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Niedersachsen mehrere Rettungseinsätze aus. Innerhalb von 24 Stunden gingen bis zum Sonntagnachmittag 65 255 Blitze über Nordrhein-Westfalen nieder, berichtete der Deutsche Wetterdienst in Essen.

Wegen eines heftigen Gewitters musste das Fußball-Testspiel zwischen dem FC Gütersloh und Bundesligaabsteiger SC Paderborn abgebrochen werden. In Hattingen wurden zwei Menschen vom Blitz getroffen und schwer verletzt. In Thüringen kippte eine Windböe auf der A 4 nahe Mellingen einen Lastwagen um.

Wegen der großen Hitze fielen allein am Sonntag bundesweit mindestens 19 Fernzüge der Deutschen Bahn aus. Zudem habe es bis zum Nachmittag 32 Ausfälle auf Teilstrecken gegeben, weil die Klimaanlagen in den ICEs und ICs nicht mehr funktionierten, sagte ein Bahnsprecher.

Die Polizei bekam Notrufe, weil Eltern ihre Kinder beim Einkauf in geparkten Autos zurückgelassen hatten. Auch Hunde mussten aus Fahrzeugen befreit werden. Am Wochenende musste auch die Kuppel des Berliner Reichstagsgebäudes gesperrt werden - einige Menschen hatten dort bei 44 Grad Innentemperatur Kreislaufprobleme bekommen.

Hitzeschäden bremsten den Verkehr auch auf einigen Autobahnen und Bahnstrecken. Ein Blitz legte die Signalanlagen im Essener Hauptbahnhof lahm. Ein Hitze-Brand verursachte einen stundenlangen Ausfall der Sendungen des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte.

Bei den Tagestemperaturen in Europa treten doppelt so oft Hitzerekorde auf wie Kälterekorde, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Bei den Monatswerten haben wir heute schon fünfmal so viele Hitzerekorde wie es in einem stabilen Klima der Fall wäre", sagt der Wissenschaftler. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen, da das Klima durch die Treibhausgase immer weiter aufgeheizt werde.
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