Doppel-Vernehmung

Ein Staatsanwalt aus der Schweiz berichtete im NSU-Prozess von einer ungewöhnlichen Ermittlungsmethode. Zwei mutmaßliche Waffenbeschaffer des NSU hatten sich in ihren Aussagen widersprochen und mussten darum in eine gemeinsame Vernehmung.

Ein Schweizer Staatsanwalt hat am Donnerstag im NSU-Prozess über eine ungewöhnliche Vernehmung berichtet. Die zwei mutmaßlichen Waffenbeschaffer seien gemeinsam in einer "Konfrontationsvernehmung" befragt worden. In vorangegangenen Einzelbefragungen hätten sie sich stellenweise deutlich widersprochen. Die Schweizer Behörden ermittelten gegen beide wegen des Verdachts, eine kriminelle Vereinigung - den NSU in Deutschland - unterstützt zu haben.

Allerdings seien die Männer auch dann bei ihren unterschiedlichen Versionen geblieben. Einer habe erklärt, er habe ein Paket von einem Waffenhändler erhalten, das er ungeöffnet an den anderen weitergegeben habe. Der andere habe das bestritten.

In dem Paket soll sich die Pistole vom Typ "Ceska" befunden haben, mit der der NSU neun seiner zehn Opfer ermordete. Die "Ceska" ist ein zentrales Beweismittel in dem Prozess. Zwei der angeklagten mutmaßlichen Helfer, Ralf Wohlleben und Carsten S., sollen in die Beschaffung verwickelt sein.

Der Staatsanwalt aus dem Kanton Bern sagte, er habe den Aussagen des zweiten Mannes, der jeden Kontakt mit der Waffe bestritt, wenig Glauben geschenkt. Er äußerte auch den Verdacht, dass der zweite Schweizer mehrfach Waffen nach Deutschland gebracht haben könne. Einmal sei er in Deutschland festgenommen worden. Im Handschuhfach des Autos sei eine Pistole vom Typ "Luger" gefunden worden. In einer Vernehmung hatte der Mann aber irrtümlich angegeben, er habe eine "Ceska" bei sich gehabt. Er habe wohl zwei Liefer-Touren verwechselt, vermutete der Staatsanwalt.
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