Doppelanschlag mit fast 100 Toten und 250 Verletzten in Ankara erschüttert die Türkei - ...
Friedensdemonstration endet in Blutbad

Drei Wochen vor der Parlamentswahl in der Türkei hat der bislang schwerste Anschlag in der Geschichte des Landes mit fast 100 Toten die politische Krise dort verschärft. In Ankara gedachten am Sonntag Tausende Menschen der Opfer des Doppelanschlags auf eine regierungskritische Friedensdemonstration am Vortag. In Sprechchören beschimpften sie Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan als "Mörder". Der Anschlag von Ankara wurde international scharf verurteilt. Der gewaltsame Konflikt zwischen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Regierung forderte indes erneut Opfer. Die Luftwaffe flog weitere Angriffe auf PKK-Einrichtungen. Die PKK hatte zuvor angekündigt, ihre Angriffe auf den Staat vor der Neuwahl zum Parlament am 1. November unter bestimmten Bedingungen einzustellen.

Nach Angaben der islamisch-konservativen Regierung wurden bei dem Anschlag am Samstag in Ankara mindestens 95 Menschen getötet und 246 verletzt. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP, die sich als Ziel des Angriffs sieht, sprach von mindestens 122 Toten. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu nannte als mögliche Urheber die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die PKK und zwei linksextremistische Terrorgruppen. Türkische Medien berichteten, die Ermittlungen konzentrierten sich auf den IS. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Der Ko-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas, nannte die Bluttat einen "Angriff des Staates auf das Volk". Er fügte hinzu: "Ihr seid Mörder. An Euren Händen klebt Blut." Ein HDP-Funktionär, der anonym bleiben wollte, sagte, die politische Führung des Landes habe den Anschlag "entweder organisiert oder nicht verhindert". Die Regierung erklärte eine dreitägige Staatstrauer. In der Millionenmetropole Istanbul demonstrierten am Samstagabend mehrere Tausend Menschen gegen die Regierung. In Sprechchören wurde die PKK zu Vergeltungsaktionen aufgefordert. Auch in deutschen Städten gingen Tausende Kurden auf die Straße; viele machten Erdogan für die Tat verantwortlich. Die größte Kundgebung gab es in Stuttgart mit 5000 Teilnehmern. (Seite 4)
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