Dramatische Rettungsaktion der Feuerwehr und des THW
„Seppl“ und „Scampi“ in der Güllegrube

Nach fünf langen Stunden die Rettung: Beide Pferde konnten aus der Grube gehievt werden. Bild: Völkl
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Deutschland und die Welt
12.06.2012
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Trisching. (cv) Sie heißen „Seppl“ und „Scampi“. Die beiden Pferde lösten in der Nacht zum Dienstag eine fünfstündige Rettungsaktion aus, die auch bei Feuerwehr und Technischem Hilfswerk Seltenheitswert hat. Sie retteten die in eine 2,40 Meter tiefe Grube gestürzten Tiere aus dem stinkenen Jauche-Wassergemisch.
Das Drama im Trischinger Pferdetherapiezentrum wurde gegen 20 Uhr von einer Pferdebetreuerin entdeckt. Wie es auch passiert sein mag, zwei Pferde waren in ein als Güllegrube genutztes Kellergewölbe gestürzt. Die zwei mal drei Meter große Öffnung war eigentlich durch einen Holzdeckel gesichert. Laut Polizei dürfte er durch die Tiere beiseite geschoben worden sein. Die Pferde standen in dem 15 mal 10 Meter großen Gewölbe bis zum Hals im Gülle-Wassergemisch.
Die Feuerwehr Trisching rückte an, sah aber, dass hier ohne weitere Unterstützung nichts auszurichten war. Die Wehren aus Nabburg und Freudenberg wurden alarmiert, das THW Nabburg und Schwandorf. Vor Ort war auch Tierarzt Dr. Guggenmoos. Das Zusammenspiel aller Kräfte war gefragt: Die abgestürzten Tiere waren in dem Gewölbe, das sich unter dem Stallgebäude erstreckt, nach hinten gelaufen. Die ehemalige Ziegelei ist mit Maschinenblöcken und Mauervorsprüngen durchzogen. Die beiden Tiere waren in ihrer Panik von entgegengesetzten Seiten zwischen zwei Mauerteile gelaufen, stecken hier gemeinsam fest. Diese zwangsweise Ruhigstellung dürfte ihnen das Leben gerettet haben.

Um die beiden Tiere zu befreien, musste zuerst das Gemisch aus Jauche und Grundwasser abgepumpt werden. Zwei starke Chiemseepumpen kamen zum Einsatz, die Brühe sank aber nur langsam ab, da immer wieder Flüssigkeit nachlief. Zwei Landwirte stellten ihre Güllewagen zur Verfügung, konnte die Jauche doch wegen der umliegenden Fischweiher nicht im Gelände ausgebracht werden.

Die Pferde standen anfangs 1,70 Meter im Wasser. Etwa drei Stunden dauerte es, bis die rund 70 000 Liter abgepumpt waren. Ständig wurde Frischluft zugeführt, der Sauerstoffgehalt gemessen, der Methan-Gasgehalt im Auge behalten. Atemschutzträger arbeiteten sich zu den Pferden vor. Zunächst sah es so aus, als ob es keine Möglichkeit gebe, die Pferde durch den Schacht aus ihrem Verließ zu befreien. Dietmar Bleistein, THW-Spezialist für Einsätze in Katastrophengebieten, begutachtete die Statik des alten Gemäuers. Kann man mit schwerem Gerät auf den Boden? Muss ein Loch in die Außenwand gegraben werden, um die Tiere zu befreien? Bleistein verwarf letzteres. Die Gefahr, dass die Tiere dabei kollabieren, war zu groß.

Das THW rückte mit Lastwagen und Kran an. Der lange Arm reichte zwar in die Halle, doch der Haken wäre für eine Bergung zu nah an der Bodenöffnung gewesen. Der Königsweg führte über das Dach. Mit vereinten Kräften wurde ein Teil abgetragen, die Winde mit den Zugketten und Gurten direkt über der Schachtöffnung abgelassen.

In die Grube waren mittlerweile in Begleitung von Helfern der Tierarzt und die Besitzerinnen der Pferde hinab gestiegen – vertraute Bezugspersonen, denen es gelang, die Pferde mit Decken zu wärmen, zu beruhigen, medikamentös ruhigzustellen und zum Ausgang zu lotsen. Dann ging es schnell: Die Gurte wurden angelegt, die unterkühlten Tiere hochgezogen und ins Warme geführt.
Glücklich waren auch die rund 80 Helfer vom Feuerwehr und THW, die die Situation Hand in Hand – landkreisübergreifend – gemeistert hatten. Der Besitzerin des Reitzentrums standen die Tränen der Erleichterung in den Augen. „Ihr seid die Besten, die Tollsten“, meinte sie überschwenglich und gab Helmut Schatz, dem Einsatzleiter der Trischinger Wehr, ein Bussi auf die Wange. Für die Helfer gingen um 1 Uhr fünf aufreibende Stunden zu Ende. Noch nicht für den Tierarzt: Die Pferde hatten sich doch erhebliche Verletzungen und Abschürfungen an den Gelenken zugezogen.
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