Drittgrößte ehrenamtlich betreute Wetterstation in Süddeutschland steht in Hüttstadl
"Einfach unverzichtbar"

Von Bürgermeister Georg Ritter (links) gab#s Blumen. Laute Lobeshymnen auf Gisela Kuhbandner sangen auch Thomas Schuhmacher und Frank Sievers (von rechts) vom Deutschen Wetterdienst. Bei ihrem "professionellen Hobby", das sie seit 25 Jahren zuverlässig pflegt, wird sie von Ehemann Karl nach Kräften unterstützt. Bilder: bkr (2)
 
Moderne Technik erleichtert seit 2005 die ehrenamtliche Arbeit. Trotzdem kann sich Gisela Kuhbandner über Langeweile nicht beklagen. Das Regenwassermessgerät muss regelmäßig kontrolliert und gesäubert werden.
Hüttstadl. (bkr) Exakt 1794 ehrenamtlich betreute Wetterstationen liefern in Deutschland täglich eine Unmenge wichtiger Daten für Vorhersagen und Sturmwarnungen. Die drittgrößte im süddeutschen Raum steht bei Familie Kuhbandner im Garten. Vor einem Vierteljahrhundert begann das klimatische Abenteuer im Fichtelberger Ortsteil Hüttstadl.

1990 hat Gisela Kuhbandner angefangen, Wetterdaten zu erfassen, aufzuzeichnen und weiterzugeben. Eine Aufgabe, die 365 Tage im Jahr ihren Lebensrhythmus bestimmte. Zwischenzeitlich hat moderne Technik den hohen Zeitaufwand reduziert.

Früher ging es morgens um 7.30 Uhr los. Die ersten Daten ablesen und messen, am Nachmittag um 14.30 und am Abend um 22.30 Uhr nochmal. Die Teilautomatisierung 2005 schaffte Erleichterung. Das bekannte Wetterhäuschen zum Beispiel oder das Regenwassermessgerät wurden zwischenzeitlich durch Nachfolgemodelle ersetzt.

Computer statt Liste

Luft- und Bodentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie die Niederschlagsmenge waren aufzuzeichnen. Was früher in Listen eingetragen werden musste, speichert heute Kollege Computer für die sofortige Übertragung zum Wetteramt nach Offenbach. Alleine damit ist es aber nicht getan. Moderne Technik ersetzt nicht alles.

Sturmböen, Hagel, Blitzeis und Gewitter sind heute noch sofort "mechanisch" dem Wetteramt zu melden. Weggefallen ist, den Beginn und das Ende von Regenfällen "händisch" festzuhalten. Heute macht dies ein sensibler Regenmesser. Ihm entgeht kein Tropfen, der in ihn hineinfällt. Regelmäßig muss das Gerät von Laub, Staub und sonstigen Dingen gereinigt werden.

Bis Ende 2011 beobachtete Gisela Kuhbandner zudem die Bewölkung und die Sicht. Das reichte vom Verlauf von Gewittern und Hagelschauern bis zum winterlichen Schneetreiben.

Ab Oktober ist die 69-Jährige - sie ist unseren Lesern auch als Berichterstatterin mit dem Kürzel (gis) bekannt - voll beschäftigt. Wenn es schneit und solange Schnee liegt, hat sie das Schneebrett und den Schneestecher griffbereit. Mit dem Brett misst sie bis April den täglichen Schneefall. Gleichzeitig will das Wetteramt den Wasseranteil im Schnee für seine Hochwasservoraussagen wissen. Diese Information bringt der Stecher. Mit ihm wird eine Probe genommen, aufgetaut und so aus der Schneehöhe die Wassermenge errechnet.

Vier sensible Sensoren

Den Wettergarten mit seinen Geräten überragt ein weithin sichtbarer 15 Meter hoher Mast. Auf ihm drehte sich früher ein sogenanntes Schalen-Anemometer. Heute sind es vier Sensoren, die Windrichtung und -geschwindigkeit berechnen. Für den Bau, so erzählt Ehemann Karl Kuhbandner, wurde der ganze Garten umgegraben und ein relativ großes Loch durch die Kellerwand gebohrt.

"Ein überflüssiger Aufwand", stellte er fest. "Die Graberei war umsonst und das Loch total überdimensioniert." Auf einer bewuchsfreien Fläche von einem Quadratmeter thront das Bodenthermometer. Es beansprucht, stets fünf Zentimeter über dem Boden oder der Schneedecke zu sein. Handarbeit ist hier in der kalten Jahreszeit gefragt.

Familie hilft mit

Ohne die Mitarbeit der ganzen Familie hätten es Gisela und Karl Kuhbandner nicht geschafft. Man will ja auch mal in den Urlaub fahren oder abends ins Theater gehen. Den Wettergarten übernahm Karl Kuhbandner übrigens von einem Arbeitskollegen des Forstamts Fichtelberg. Ihm macht es ebenso Spaß, im Winter durch den Schnee zu stapfen, einen Weg zu den Geräten freizuschaufeln oder seine Bienen für den Wetterdienst zu beobachten.

Hier liegt ein weiteres Tätigkeitsfeld der ehrenamtlichen Arbeit, die "phänologischen Beobachtungen". Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen. Es werden die Eintrittszeiten charakteristischer Vegetationsstadien beobachtet. Sie stehen in enger Beziehung zu Witterung und Klima. Wenn zum Beispiel die erste Biene der sieben Kuhbandner'schen Völker im Frühjahr fliegt, interessiert das dem Wetterdienst.

Wetterdienst-Medaille

Thomas Schuhmacher, Leiter der Regionalen Messnetzgruppe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München, würdigte am Montag die außerordentliche Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft von Gisela Kuhbandner im zurückliegenden Vierteljahrhundert. Im Fichtelberger Rathaus zeichnete er sie in Anwesenheit von Bürgermeister Georg Ritter mit der Wetterdienst-Medaille des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur aus.

Schuhmacher sagte: "Für den nationalen Wetterdienst sind Bürger wie Gisela Kuhbandner einfach unverzichtbar." Auch Bürgermeister Ritter freute sich: " Mit Ihrer Arbeit haben Sie dazu beigetragen, Fichtelberg in den Medien bekannt zu machen."
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