«Dropped» - TV-Spiel ums Überleben endet mit tödlichem Unfall
Flug in den Tod

Bei dem Unglück am Montag in Argentinien starben zehn Menschen. Bild: dpa

Überleben ist Konzept der Sendung. Doch bei Dreharbeiten zur französischen Produktion «Dropped» sind Teilnehmer jetzt in den Tod geflogen. Die Kollision zweier Hubschrauber wirft Fragen auf.

Paris. (dpa) «Dropped», ausgesetzt irgendwo in der Wildnis im Norden Argentiniens. Orientierung suchen. Mit wenig Hilfsmitteln, ohne Karten oder Lebensmittel einen Weg zurück finden. Das schaffen, was in solchen Survival-Shows «Überleben» genannt wird. Für zehn Menschen endeten jetzt Dreharbeiten zur französischen Variante der TV-Sendung «Dropped» tödlich. Beim Absturz zweier Hubschrauber starben acht Franzosen und die beiden argentinischen Piloten.

Der für das Land schlimmste Unfall bei Arbeiten für eine Reality-Show kam für viele Menschen in Frankreich einem Schock gleich. Das tragische Ereignis kostete nationalen Sporthelden das Leben: Die französische Schwimmerin und Olympiasiegerin von 2012, Camille Muffat (25), ist ebenso unter den Opfern wie der ehemalige Boxer Alexis Vastine (28) oder die Seglerin Florence Arthaud (57), die sich mit ihren Erfolgen auf dem Meer als «kleine Verlobte des Atlantiks» einen Namen machte.

Teil der fassungslosen Bestürzung sind auch die zunächst wenigen Informationen, die über den Unfall bekannt sind. Bilder vom Ort des Zusammenstoßes lassen auf beste Wetterbedingungen schließen: klare Sicht, blauer Himmel mit wenigen Wolken. Warum die beiden weiß-blauen Hubschrauber kurz nach dem Start über der weiten Ebene einer Bergkette zusammenstießen, das blieb zunächst unklar. Über ein tragisches Unglück wird in Frankreich genauso spekuliert wie über technisches Versagen oder auch Pilotenfehler.

Der französische Sender TF1 und die mit der Sendung beauftragte Produktionsfirma Adventure Line Production (ALP) stehen vor der Aufgabe, den Tod bei Dreharbeiten für eine Survival-Show zu erklären. Auch dort gibt es kaum Informationen. In ersten Stellungnahmen wurden zunächst nur der Unfall bestätigt und die Opfer betrauert. «Dropped»-Moderator Louis Bodin sprach in der Zeitung «Le Figaro» von «manchmal etwas schwierigen Bedingungen» bei den Dreharbeiten. Das Team vor Ort sei aber «sehr erfahren».

In Frankreich sind vor allem ALP-Formate wie «Fort Boyard» bekannt. Die Suche nach einer Schatzkammer auf der berühmten Festung vor der französischen Atlantikküste ist seit 1990 ein Publikumsrenner - mit erfolgreichen Ablegern in Deutschland für Sat.1 und rund 30 anderen Ländern.

Auch «Koh-Lanta» war lange Zeit sehr beliebt in Frankreich. Der Name der Insel- und Dschungel-Show steht allerdings inzwischen ebenfalls für einen tragischen Tod: Bei Dreharbeiten starb 2013 ein 25 Jahre alter Teilnehmer. Er war beim Tauziehen am Strand einer kambodschanischen Insel zusammengebrochen. Spekulationen um zu späte Hilfe durch Betreuer machten schnell die Runde. Nur wenig später nahm sich der Team-Mediziner das Leben.

«Koh-Lanta», nach einem Produktionsstopp seit vergangenem Herbst wieder im Programm, wird ebenfalls von ALP für TF1 produziert. Der große französische Kanal ist nach öffentlich-rechtlichem Start seit Jahrzehnten ein privater Sender.

Bei «Dropped» müssen die Kandidaten einzeln und im Team kämpfen, Orientierung finden, Auswege suchen. ALP, seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, produziert neben Family-Shows oder Tanz- und Musiksendungen eine ganze Reihe solch actionbeladener Serien. Trailer auf der Internetseite des Unternehmens sind geprägt von raschen Bilderfolgen: scheinbar gefährliche Szenen mit harten Wettkämpfen, anstrengenden Suchen, wilden Tieren - und schnellen Helikopterflügen.

Video zeigt Helikopter-Unfall

Video des Zusammenstoßes auf Webseite Zeitung El Sol


Trauer um Schwimmerin Muffat, Boxer Vastine und Seglerin Arthaud

Camille Muffat(25): Erst im vergangenen Jahr hatte Muffat kurz vor der EM in Berlin überraschend ihre Leistungssport-Karriere beendet, um ein Leben abseits des harten Trainings beginnen zu können. 2012 hatte sie in London Olympia-Gold über 400 Meter Freistil, Silber über die 200 Meter Freistil sowie Bronze mit der französischen Freistil-Staffel über 4 x 200 Meter gewonnen. Drei Medaillen bei Olympia zu gewinnen, war zuvor nur zwei anderen französischen Schwimmern gelungen. Bei Weltmeisterschaften hatte Muffat, die in Nizza geboren wurde und aufwuchs, vier Silbermedaillen gewonnen.

Alexis Vastine (28): Olympische Spiele brachten dem französischen Boxmeister im Halbweltergewicht kein Glück. In Peking 2008 musste er mit Bronze zufrieden sein, nachdem er im Halbfinale sehr umstritten an Felix Diaz aus der Dominikanischen Republik gescheitert war. Eine fragwürdige Verwarnung wegen Haltens hatte den Ausschlag gegeben. Die Bilder seiner bitteren Tränen der Verzweiflung im Ring gingen um die Welt. Vier Jahre später lief es nicht viel besser. In London verlor Vastine im Viertelfinale gegen den amtierenden Weltmeister Taras Schelestjuk dank eines Hilfspunktes für den Ukrainer. Die drei Punktrichter hatten zuvor ein 18:18 errechnet. Der 28 Jahre alte Vastine hatte sich für Rio 2016 die Goldmedaille vorgenommen.

Florence Arthaud (57): war in Frankreich eine Segel-Ikone. Ihr größter Triumph gelang ihr 1990, als sie als erste Frau die gefährliche Regatta Route du Rhum gewann. Das Trans-Atlantik-Rennen wird allein gesegelt. Ihr Erfolg mit der Yacht Pierre 1 machte die Pariserin zum Star, sie wurde zu Frankreichs Sportlerin des Jahres gewählt. Schon bei ihrer ersten Teilnahme an dem harten Rennen hatte sie mit einem elften Platz auf sich aufmerksam gemacht. 1986 ließ die Tochter des Verlegers Jacques Arthaud bei der Route du Rhum aufhorchen, als sie ihre eigenen Ambitionen beiseite ließ und einem Kollegen in Not half. Sie trug den Spitznamen «Verlobte des Atlantiks»