Dutzende Tote in Mekka

Das Archivbild zeigt eine Luftaufnahme der großen Heiligen Moschee in Mekka, im Hintergrund etliche Kräne. Am Freitagabend stürzte eines der Baugeräte auf das Gebäude, viele Gläubige kamen dabei ums Leben. Archivbild: dpa
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Deutschland und die Welt
12.09.2015
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Bilder der Zerstörung, aufgenommen am zentralen Heiligtum des Islams: Ein Kran in Mekka fällt im starken Wind um, es sterben mindestens 87 Menschen. Mehr als 180 werden verletzt.

Rote Kranteile sind zu sehen, die sich durch die Decke des Gebäudes gebohrt haben. Trümmer, dazwischen Tote und Verletzte, liegen auf dem Boden der Heiligen Moschee von Mekka. Ein Unwetter mit plötzlich aufkommenden Windböen hat am Freitagabend zu dem Unglück geführt: Ein Kran stürzte zur Zeit des Gebets zum Sonnenuntergang in den Komplex des zentralen Heiligtums des Islams und riss in Saudi-Arabien mindestens 87 Menschen in den Tod. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden zudem mehr als 180 Menschen verletzt.

Millionen Pilger erwartet

Das Unglück kommt zu einer Zeit, in der die Vorbereitungen für die große islamische Pilgerfahrt auf Hochtouren laufen. Denn in etwa zehn Tagen - genau weiß man es erst, wenn die Mondsichel gesichtet wird - werden in Mekka wieder Millionen Gläubige zum Hadsch erwartet.

Dort versammeln sie sich im Hof der Großen Moschee, wo die würfelförmige Kaaba ist, pilgern zum etwa 25 Kilometer entfernten Berg Arafat, wo der Prophet Mohammed seine letzte Predigt gehalten haben soll, und begehen auf dem Rückweg nach Mekka die symbolische Steinigung des Teufels, indem sie Kieselsteine auf Wände werfen. Der Hadsch ist eine der fünf Säulen des Islams. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern.

Immer wieder kommt es dabei aber auch zu tödlichen Unglücken: Beim schwersten - im Jahr 1990 - kamen bei einer Massenpanik mehr als 1400 Menschen ums Leben. Im Jahr 2006 starben bei einer weiteren Panik mehr als 350 Menschen. Im Jahr 1979 griffen während des Hadsch bewaffnete Attentäter die Heilige Moschee an und nahmen die Gläubigen als Geiseln. Hunderte Menschen starben damals.

Inzwischen wird Mekka von den saudischen Sicherheitskräften stark überwacht. Und es wird mächtig gebaut: Die Wallfahrtsstrecke wurde erweitert und das einstige Nadelöhr, die Brücke bei Mina, auf mehrere Ebenen ausgebaut.

Zur Metropole mutiert

Eine neue Metro transportiert seit vier Jahren Hunderttausende Wallfahrer, die nicht laufen wollen oder können, zwischen den Heiligen Stätten. Die Pilgerstadt ist zu einer modernen Metropole geworden. Das US-Nachrichtenmagazin "Time" schrieb vor einem Jahr, dass der Bautätigkeit in Mekka jedoch viele historische Stätten zum Opfer fallen.

Vor der Naturgewalt bot all dies nun keinen Schutz. Mehr Einzelheiten zu dem Unglück gab es zunächst nicht. Die saudische Behörden ordneten eine Untersuchung an. Aufgrund der vielen Verletzten, dürfte die Zahl der Toten allerdings am Wochenende noch weiter steigen.
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