Ebola-Virus erreicht die USA

Scott Smith, Wissenschaftler am amerikanischen Zentrum für Seuchenbekämpfung, untersucht eine Blutprobe auf Viren. Die Gesundheitsbehörde in Atlanta hat die Federführung im ersten Ebola-Fall, der in den Vereinigten Staaten aufgetreten ist. Bild: James Gathany/Centers for Disease Control and Prevention/dpa

In den Vereinigten Staaten läuft die Suche nach Kontaktpersonen. Erstmals ist bei einem Patienten außerhalb Afrikas Ebola diagnostiziert worden. Dennoch warnen Experten vor einer Panik.

In den USA ist weltweit erstmals ein Ebola-Fall außerhalb Afrikas diagnostiziert worden. Der Patient sei vor rund zehn Tagen aus Liberia eingereist. Die Krankheit sei am Dienstag bei ihm nachgewiesen worden, teilte der Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, Thomas Frieden mit. Der Erkrankte habe erst einige Tage nach der Einreise in die USA Symptome entwickelt und sich in ein Krankenhaus in Dallas in Texas begeben. Dort sei er auf eine Isolierstation gebracht worden.

Experten warnten eindringlich vor Hysterie. Das Robert Koch-Institut sieht ein nur geringes Risiko, dass Ebola eine Gefahr für Deutschland wird. Nach Einschätzung des Hamburger Virusexperten Jonas Schmidt-Chanasit ist im Flugzeug von dem Patienten noch keine Ansteckungsgefahr ausgegangen. "Der Mann war nicht erkrankt, als er im Flieger war. Da ist das Risiko null", sagte der Leiter der Virusdiagnostik des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Mitreisende könnten sich nur bei Erkrankten infizieren, die Fieber haben oder andere Beschwerden zeigten. Durch den internationalen Flugverkehr sei es möglich, "dass mal so ein Fall nach Deutschland importiert wird". "Es wird aber niemals bei uns zu so einem Ausbruch kommen wie in Westafrika. Unser Gesundheitssystem und unsere kulturellen Voraussetzungen sind ganz andere."

Keine Verdachtsfälle

Weitere Verdachtsfälle gebe es in den USA derzeit nicht, sagte CDC-Chef Frieden. "Ich habe keine Zweifel, dass wir diesen Ebola-Fall kontrollieren werden, so dass die Krankheit sich in diesem Land nicht weiter verbreiten wird. Wir werden das stoppen." Es sei aber möglich, dass der Patient andere angesteckt habe.

Alle Menschen, mit denen er seit seiner Ankunft in den USA Kontakt hatte, würden ausfindig gemacht und unter Beobachtung gestellt. Dabei handele es sich um "eine Handvoll Menschen", hauptsächlich Familienmitglieder. Die Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) warnte vor Hysterie: "Es ist uns klar, dass schon ein einzelner Fall Sorgen bereitet, aber wir sind darauf vorbereitet." Und das Weiße Haus twitterte: "Amerika hat die besten Ärzte und die beste Gesundheitsinfrastruktur der Welt, und wir sind darauf vorbereitet, auf so einen Fall zu reagieren." Die Sanitäter seien unter Quarantäne gestellt. Der Patient sei in die USA gekommen, um Familienmitglieder zu besuchen, berichtete Frieden. Nähere Details oder persönliche Angaben wollte die Gesundheitsbehörde nicht machen.

Dem Ebola-Ausbruch sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 3000 Menschen zum Opfer gefallen, vor allem in Guinea, Sierra Leone und Liberia. Die Zahl der Infizierten stieg auf mehr als 6500. Die WHO rechnet aber mit einer hohen Dunkelziffer.

Mehr als 5000 Freiwillige

Inzwischen haben sich mehr als 5000 Interessenten auf Aufrufe der Bundesregierung zum freiwilligen Einsatz in den Ebola-Krisenländern gemeldet. Mit dem deutschen Botschafter in Venezuela, Walter Lindner, solle zudem ein mit Afrika und Krisenreaktionen erfahrener Diplomat die Koordination der Hilfen gegen Ebola übernehmen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.
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