Ebola: Zu früh für Entwarnung

Eine Frau beweint in Monrovia (Liberia) den Tod eines Verwandten. Oft sterben Menschen auch an anderen Krankheiten als Ebola, weil sie sich aus Angst vor Infektionen nicht mehr in die Krankenhäuser trauen. Archivbild: dpa

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist noch nicht überstanden. Auch wenn Infektionsketten besser kontrolliert werden und Hilfe aus aller Welt ankommt, gibt es weiterhin viel zu tun. Deutschland wehrt sich unterdessen gegen Kritik an seinen Hilfsmaßnahmen.

(KNA/dpa) Gisela Schneider, Direktorin am Deutschen Institut für Ärztliche Mission Würzburg, sah am Montag in Berlin noch keine Entwarnung. "Ebola trifft den Nerv der Gesellschaft", betonte die Medizinerin. Dort, wo eigentlich Geborgenheit herkomme, aus der Familie, habe sich plötzlich Krankheit und Tod ausgebreitet.

Angst vor Krankenhäusern

Essenziell sei es auch, die Behandlung anderer Krankheiten so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. "Keiner zählt die Malaria-Toten oder die Schwangeren, die sterben, weil sie keinen Kaiserschnitt erhalten", warnte Schneider. Viele machten sich gar nicht mehr auf den Weg ins Krankenhaus, aus Sorge vor einer Ansteckung. Wichtig sei es daher, in den einzelnen Gemeinden in Liberia, Guinea und Sierra Leone freiwillige Gesundheitshelfer auszubilden, um schnell einen Ebola-Fall oder andere Erkrankungen zu erkennen. "Das Vertrauen in die Gesundheitssysteme muss wieder hergestellt werden."

Klemens Ochel, Tropenmediziner am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, nannte als dringende Aufgabe auch die gesellschaftliche Wiedereingliederung von Ebola-Überlebenden. Es fehle an psychosozialer Betreuung für die ehemaligen Patienten. Vor allem Waisen von Ebola-Toten bräuchten Hilfe, sagte Ochel. Ein neues Problem sind nach Aussage von Schneider erste Infektionen über sexuellen Kontakt von Ebola-Geheilten. Männliches Sperma sei noch zwei bis drei Monate nach der Genesung hoch infektiös. Auch an dieser Stelle brauche es weitere Aufklärung, betonten die Ärzte.

Hilfe lief zu spät an

Am Wochenende hatten Medien eine nur schleppend anlaufende deutsche Hilfe in den Ebola-Gebieten kritisiert. Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung hat dies zurückgewiesen. Sie sei zu spät gewesen, das hätten alle eingestanden, sagte Walter Lindner am Montag in Berlin. Aber eigentlich hätten fast alle Akteure die Lage falsch eingeschätzt. "Jetzt ist Deutschland in allen drei Ländern, Sierra Leone, Liberia und Guinea, aktiv", betonte der Botschafter. Lindner sagte: Auch wenn die deutsche Hilfe nicht immer direkt sichtbar sei, gebe es an vielen Stellen essenzielle Unterstützung. Dazu zähle etwa die Luftbrücke aus dem Senegal. Insgesamt habe die Bundesregierung 108 Millionen Euro für Nothilfen zur Verfügung gestellt.
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