Eigene Ansprüche stressen Eltern

Von den Flugschreibern erhoffen sich die Ermittler Aufschlüsse über die Unglücksursache. 81 Taucher hatten nach den beiden Blackboxen gesucht. Das zweite Gerät wurde noch nicht gefunden. Bild: dpa

Welcher Kinderwagentyp? Chinesisch in der Kita? Das Elterndasein in Deutschland fühlt sich nach einer Umfrage heute anstrengender an als früher. Schuld daran sind aber wohl auch die Mütter und Väter selbst.

Viele Eltern setzen sich bei der Erziehung ihrer Kinder enorm unter Druck. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die Zeitschrift "Eltern". Die Gründe dafür lägen dabei weniger im Spagat zwischen Job und Familie, sondern vor allem in den hohen Ansprüchen der Eltern an sich selbst, teilte die Zeitschrift am Montag mit. Viele wollten in allem perfekt sein.

Für die Umfrage wurden im September und Oktober rund 1000 Eltern mit Kindern bis 12 Jahre von dem Meinungsforschungsinstitut Forsa interviewt - und ergänzend dazu mehr als 700 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren vom Kinder-Marktforschungsinstitut Iconkids & Youth.

Auf die Frage "Wenn Sie die Anforderungen an Eltern von heute mit denen vor 30 Jahren vergleichen - was, meinen Sie, hat sich verändert?" antworteten rund 60 Prozent der Mütter und Väter, dass die Erwartungen im Job, als Eltern und als Partner heute höher seien.

Zerrissenheit zwischen Kind und Job gilt bisher vor allem bei Müttern als Stressfaktor Nummer eins. Nach der Umfrage machen sich Mütter wie Väter den meisten Stress aber selbst. Rund die Hälfte der befragten Männer (56 Prozent) und drei Viertel der Frauen (73 Prozent) sprechen von sehr hohen Ansprüchen an sich selbst. Viele glauben schließlich, als Eltern nicht zu genügen. Die befragten Kinder sehen das allerdings völlig anders: Rund 90 Prozent halten ihre Eltern für die besten der Welt.

Zu viele Informationen

Isabelle Haesler, Sprecherin der Zeitschrift, sieht den gefühlten Stress auch als Folge einer Qual der Wahl. In Buchhandlungen füllten Erziehungsratgeber inzwischen Regalwände. "Es gibt heute so viele Optionen und ein Übermaß an Informationen", ergänzt Haesler. Vielleicht sei bei Eltern damit auch die Angst verbunden, eine falsche Entscheidung zu treffen - statt einfach auf das gesunde Bauchgefühl zu hören.

Mehr als 60 Prozent der Eltern sprechen in der Umfrage neben Eile, Hetze und Zeitdruck im Alltag vom "Druck durch die hohen Leistungsanforderungen unserer Gesellschaft". Wie eine Nebenwirkung der Pisa-Studien kann dann schon die Suche nach einer Kita zur großen Hürde werden. Geschaut wird oft nicht mehr nach der Nähe zur Wohnung, sondern nach dem Bildungsangebot - Chinesisch oder Englisch?

Die Liste, was "gute Eltern" ausmacht, ist bei Müttern und Vätern heute ellenlang. Rund die Hälfte zählt auf, dass sie immer hinter ihrem Kind stehen wollen. Sohn oder Tochter sollten das Gefühl haben, das Wichtigste auf der Welt zu sein.

Der Job scheint dagegen kein Problem zu sein. Drei Viertel der befragten Eltern sagen, dass sie zufrieden mit ihrer Arbeitszeit sind. Von der Familienpolitik wünschen sich allerdings 44 Prozent zusätzliche finanzielle Unterstützung - wie mehr Kindergeld oder kostenlose Kita-Jahre.
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