Ein Fernsehklassiker feiert sein Goldenes Jubiläum: 50 Jahre Kater Mikesch
Die Magie der Kistendeckel

Bereits am Morgen stellte sich eine gewisse Unruhe ein, später konnte man nicht schnell genug vom Mittagstisch aufstehen, um den Fernseher einzuschalten. Schon das Pausenzeichen des Hessischen Rundfunks war eine Verheißung, gefolgt von der Ansagerin mit ihrem "Liebe Kinder, es ist wieder soweit ...". Dann der große Moment: Wie ein "Sesam, öffne dich" klappten die Kistendeckel mit der Aufschrift "Augsburger Puppenkiste" auf.

Watte, Pappe, Plastikfolie

In den 60er und 70er Jahren war das große Magie für die Kinder der jungen Bundesrepublik. Und einer ihrer Lieblingshelden aus der Kiste hieß Kater Mikesch, der vor 50 Jahren, am 22. November 1964, erstmals auf Sendung ging. In Schwarz-Weiß. Die Augsburger Puppenkiste war berühmt für ihre Spezialeffekte, die man damals allerdings nicht so nannte. Das Wasser aus durchsichtiger Plastikfolie wurde besonders bewundert - die heutige Kindergeneration würde sich totlachen. Dass man oft noch sah, aus welchem Material die Kulissen gemacht waren - Karton, Watte, Pappmasché - animierte zum Nachbasteln. Mikesch und seine Freunde, der Ziegenbock Bobesch und das Schwein Paschik, ließen sich mit Stofftieren darstellen. Das war also kein reines Konsumieren, das war interaktiv.

Josef Göhlen (83), damals Leiter der Redaktion Kinder und Jugend beim Hessischen Rundfunk, weiß noch, wie er zusammen mit dem Drehbuchschreiber der Puppenkiste, Manfred Jenning, den Mikesch aus der Taufe hob. Vorlage war das Buch des tschechischen Autors Josef Lada, das von Otfried Preußler übersetzt wurde. "Der große Erfolg liegt an der Figur und an Manfred Jenning", sagt Göhlen. "Manfred Jenning hat die ganzen Klassiker doch geprägt mit seinem Humor, seinem schwäbisch-bayerischen Humor, der ja sehr leise ist, auch ironisch. Aber diese Ironie hat niemandem wehgetan, im Gegenteil. Später haben wir das ja nie mehr geschafft, nach dem Tod von Manfred Jenning, diesen Charme wiederherzustellen."

Neuauflage 1985

1985 wurde Mikesch von Puppenkiste und HR erneut verfilmt: in Farbe, mit schöneren Figuren und Kulissen. Aber das Rad der Zeit hatte sich schon weitergedreht, die Puppenkiste ihren Straßenfeger-Status verloren. Die großen Pioniere der kleinen Bühne waren da auch alle schon tot: der Hausautor und Regisseur Manfred Jenning (1929-1979), der Gründer und Leiter der Puppenkiste Walter Oehmichen (1901-1977) und die unverkennbare Stimme von Mikesch und Urmel, Max Bößl (1925-1973).
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