"Ein Geheimnis von Papa"

Der Angeklagte (hier im Landgericht in Hannover) soll nach Absprache mit dem Vater des späteren Opfers nach Belgien gereist sein. Bild: dpa

Um einen Schüler zu vergewaltigen, reist ein Pädophiler von Niedersachsen nach Belgien. Der Vater bot den Jungen im Netz an und missbrauchte ihn laut Ermittlungen selber seit dem Säuglingsalter. Wieso fiel niemandem das Leiden des Jungen auf?

Geschlagen, jahrelang vom eigenen Vater vergewaltigt und fremden Männern in pädophilen Netzwerken mit menschenverachtenden Fotos zum Missbrauch angeboten: Das Martyrium, das ein heute zwölfjähriger Junge aus dem belgischen Mechelen erleiden musste, macht Zuhörer fassungslos.

Im Landgericht Hannover wird am Mittwoch die Vernehmung des Schülers durch eine belgische Fahnderin verlesen, nachdem Ermittler Anfang März die Wohnung gestürmt und den Vater festgenommen hatten. Auf der Anklagebank sitzt ein 22 Jahre alter Mann, der das Kind nach eigenem Geständnis mit dem Vater in Mechelen vergewaltigte. Eine Stunde lang, wie der Junge der Polizistin sagt. Dabei habe er sich fast übergeben müssen, nachher blutete er. Schwerer sexueller Missbrauch lautet die Anklage, am Freitag will die Jugendkammer das Urteil sprechen - Strafrahmen: zwei bis 15 Jahre Haft.

"Ich habe ein Geheimnis von Papa, das darf ich nicht weitersagen, das ist top geheim", damit beginnt die Aussage des Jungen, der dann in allen widerwärtigen Details über den Missbrauch spricht. Zuvor hatte er sich nur getraut, mit besten Freunden darüber zu sprechen. Die Eltern sind getrennt, teils wächst der Junge beim Vater auf, teils bei der Mutter.

Die Treppe herabgestoßen

Wie der Schüler aussagt, wird er vom Vater öfter geschlagen, uneingeschränkte Liebe erhält er nur von der Mutter. Auch ihr aber wagt er sein Geheimnis nicht anzuvertrauen, obwohl sie ihn einmal zum Arzt bringt, nachdem ihn der Vater die Treppe herunterstieß. Schon ab dem Alter von sechs Monaten, so die Ermittler, missbrauchte der heute 45-Jährige sein Kind. Von alldem bekommt die Mutter offenbar nichts mit, genauso die Großmutter, die auf das Kind aufpasst. Auch die Schule nicht.

Dass der Vater zwei Tage nach dem Missbrauch des 22-Jährigen verhaftet wird, ist australischen Internet-Cops zu verdanken. Sie stoßen auf einer Pädophilenplattform auf Chats, in denen sich der Vater mit der Vergewaltigung brüstet und Fotos präsentiert, die den Jungen mit Halsband und einer eisernen Kette zeigen. Obwohl der Vater anonym unterwegs ist, finden die Fahnder sein Facebook-Profil mit einem harmlosen Foto mit dem Jungen. Dank der internationalen Polizeikooperation wird der Deutsche dank der belgischen Polizei ermittelt. Dem Vater drohen bis zu 30 Jahre Haft.
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