Ein Papst der Realität
Angemerkt

Papst Franziskus katapultiert die katholische Kirche mit seiner Enzyklika von geistlichen Sphären auf den harten Boden der Realität - ohne dabei Sinn, Zweck und Existenz von Glaube, Kirche und Gott zu verleugnen. Ganz im Gegenteil.

Franziskus spricht von der Erde als einer unermesslichen Müllkippe. Nachvollziehbar, wenn man um Miniplastikteilchen im Wasser, den Schrott im Weltraum und die Entsorgung von Wohlstandsmüll in Dritte-Welt-Ländern weiß. Er geißelt Konsum und Verschwendung. Er wirft Technologie und Wirtschaft vor, in erster Linie an Profit und Erfolg zu denken - und kaum an die Menschen. Er prangert die Unterwerfung der Politik an.

Gesagt haben das schon viele vor ihm. Auch Kirchenmänner. Er ist aber der erste Papst, der das so fundiert, so plastisch getan hat. Franziskus wendet sich damit gegen das Dogma, es gehe den Menschen gut, wenn es der Wirtschaft gut gehe. Statistiken über Einkommens- und Armutsentwicklung stellen das seit langem in Frage. Der Papst teilt nun offenbar diese Einschätzung.

Es wurde höchste Zeit, dass die Kirche wieder zu dem findet, was sie nach eigenem Bekunden sein sollte. Ein Anwalt der Armen und Schwachen.

alexander.raedle@derneuetag.de
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