Ein Rufer in der Wüste

Professor Franz Seitz lehrt an der betriebswirtschaftlichen Fakultät der OTH Amberg-Weiden Volkswirtschaftslehre, insbesondere Geldpolitik und Finanzmärkte. Bild: sbü

Nicht alle Wissenschaftler treten an die Öffentlichkeit, wenn sie aufgrund ihrer Forschung und Analyse Fehlentwicklungen erkennen. Professor Franz Seitz von der OTH Amberg-Weiden hat den Mut, etwas anzuprangern, was er für falsch hält.

(sbü) Seitz argumentiert nicht nur als Theoretiker, sondern er kennt die Europäische Zentralbank und die Bundesbank aus zahlreichen Projekten. In einem Thesenpapier wendet er sich nun zusammen mit einem Kollegen aus Aschaffenburg vehement gegen den Ankauf von Staatsanleihen von mehr als einer Billion Euro.

"Risiken unkalkulierbar"

"Unkalkulierbare Risiken, falsche Anreize und eventuell massive Verluste für Deutschland" sind zentrale Begriffe des Thesenpapiers "Zehn Argumente gegen Quantitative Easing und den Ankauf von Staatsanleihen durch das Eurosystem". Seitz hat den Argumentationskatalog zusammen mit seinem Aschaffenburger Kollegen Professor Thomas Jost unterzeichnet. Seitz lehrt an der betriebswirtschaftlichen Fakultät der OTH Amberg-Weiden Volkswirtschaftslehre, insbesondere Geldpolitik und Finanzmärkte. "Geldpolitik ist mein Hauptforschungsgebiet" erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

"Der Rubikon ist überschritten. Viele verstehen das alles nicht mehr", sagt Seitz. Er argumentiert vor allem damit, dass das Programm zum Kauf von Staatsanleihen falsche Anreize setze, "weil es substanzielles Moral-Hazard-Verhalten" (leichtsinnig verantwortungsloses Verhalten) fördere. Vor allem verringere die EZB den Reformdruck für die Euro-Staaten. Für andere, die die Anpassungsprogramme der Troika umgesetzt hätten, sei das Programm hingegen "ein Schlag ins Gesicht".

Wie eine heiße Kartoffel

Durch den Ankauf von Staatsanleihen würden die Notenbanken "unkalkulierbare Risiken in ihre Bilanzen aufnehmen, die im Falle von Kursverlusten oder eines Schuldenschnitts letztlich von den Steuerzahlern getragen werden müssen". Als Wissenschaftler bestreitet Seitz auch generell, dass das EZB-Programm Investitionen anrege und deflationäre Entwicklungen in Europa verhindere. Vielmehr sei zu erwarten, "dass das zusätzliche Zentralbankgeld wie eine heiße Kartoffel im Bankensystem weitergereicht wird". Seitz stellt auch die Frage, wie die Übertragung der zusätzlichen Mittel auf die Wirtschaft funktionieren soll, "wenn sie bisher schon zu einem Refinanzierungssatz von praktisch Null nicht stattfand?"

Besser abwarten

Zusätzliche Wertschöpfung in der Wirtschaft entstehe nicht und vor allem die Banken in den Problemländern dürften keine Anreize haben, mehr Kredite zu vergeben. Der Rückgang der Inflationsrate sei vor allem auf die gefallenen Ölpreise zurückzuführen, die von der Notenbank ohnehin nicht zu beeinflussen seien. Zusammenfassend stellt Seitz fest: "Die Politik der EZB ist gefährlich". Besser sei ein "professioneller abwartender Kurs, der die geldpolitischen Maßnahmen der letzten zwölf Monate wirken lässt". Seitz und sein Mitunterzeichner Jost verfassten ihr Thesenpapier als Mitglieder des Aktionskreises "Stabiles Geld", einem Zusammenschluss von rund 20 Wirtschaftsprofessoren, die sich eigenen Angaben zufolge "einer gelebten Stabilitätskultur verpflichtet fühlen".

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.aktionskreis-stabiles-geld.de
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