Ein Tag am Tatort

Beim Dreh für den zweiten Franken-"Tatort" in Röthenbach an der Pegnitz bei Nürnberg sichern die Hauptkommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, links) und Felix Voss (Fabian Hinrichs, Mitte) Spuren in einem alten, im Wald abgestellten Auto. Eine blutige Plane wird gefunden. Bilder: spi (4)

Staub, Schlammspritzer und Rostflecken bedecken den Lack eines grünen Autos. Aus dem Fußraum bei der Beifahrertür spitzen Finger. Die Leiche? Nein, nur ein Helfer, der die Tür halten soll - eigentlich unbemerkt. Der Dreh des zweiten Franken-"Tatorts" läuft. Ausgestrahlt wird der Krimi im Frühjahr 2016, Einblicke in einzelne Szenen gab es jetzt schon.

Viel von der zweiten Folge des Franken-"Tatorts" gibt es am elften Drehtag noch nicht zu sehen und auch nicht zu hören: Sobald die Kamera läuft, spielen die Schauspieler kurze Szenen, geredet wird dabei nur wenig. Dafür ist rund um das Set vor dem Wirtshaus "Rockenbrunn" in Röthenbach an der Pegnitz bei Nürnberg umso mehr los: Kamerastative, Teleskop-Mikrofone und Lichter werden in Position gebracht, eine Visagistin zupft an den Haaren der Schauspieler. Der Set-Aufnahmeleiter Max Locher gibt Zeichen: "Achtung wir drehen."

Vor dem verlassen wirkendem Fachwerkhaus steigt ein Mädchen auf sein Fahrrad, ruft den Polizisten ein knappes "Tschüss" zu und strampelt, einen Rucksack huckepack, den Berg hoch. Steffi Schwinn (Barbara Prakopenka) hat im Film kurz zuvor ihre Mutter Andrea (Sonja Tille) erwürgt in der Gaststube gefunden. Vom Vater fehlt jede Spur, eine seiner Jagdwaffen ist verschwunden. Szenenwechsel: Unter dem Blätterdach einer Linde steht ein altes Auto, ein Lada. Er gehört dem Vater. Die Spurensicherung findet eine blutig Plane in dem Wagen. Blut von der Ehefrau? Und wo ist der Vater des Mädchens?

Drehbuch in Hochdeutsch

Auf diese Fragen antwortet Drehbuch-Autorin Beate Langmaack erst mit Schmunzeln, überlegt kurz und rückt dann nicht viel mehr heraus: "Hm ... es gibt viele Rätsel." Das Drehbuch hat sie in Hochdeutsch geschrieben, die Schauspieler sprechen den Text so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. "Ich habe ein Jahr gebraucht, bis das Drehbuch stand", erzählt sie. Die Grundstruktur sei früh fertig gewesen. Das Schwierigste daran: "Die 90 Minuten - ich wollte noch mehr erzählen."

Außer die Zeit, das Team, den Ort und dass mal eine Leiche vorkommen sollte, hatte sie keine Vorgaben. "Ich konnte meiner Fantasie freien Lauf lassen." Typisch fränkisch sind an dem Film: "Herr Egersdörfer und das Institut für Anatomie in Würzburg." Wo sich Langmaack den Film zum ersten Mal anschauen will, weiß die Hamburgerin noch nicht. "Ich schaue ihn mir entweder ganz allein an, vielleicht auch in einer Kneipe." Dort könnte sie die Zuschauer hautnah erleben.

Drei Fälle aufeinmal

In dem neuen Franken-"Tatort" müssen die Hauptkommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) gleich drei Fälle lösen: In dem Wirtshaus wird eine Leiche gefunden, in der Knochensammlung des Instituts für Anatomie der Universität Würzburg stößt ein Doktorand auf einen fremden Schädel, der nicht zum Skelett passt, und eine Frau protestiert vor dem Nürnberger Polizeipräsidium, weil sich die Polizei weigert, ihren vermissten Sohn zu suchen. Die fränkische Folge mit dem Titel "Das Recht sich zu sorgen" handelt laut Produzentin Uli Putz von der Sehnsucht nach dem Gegenteil von Einsamkeit.

Den Schauspielern gefällt es in Franken. In Berlin würden die Augen verdreht, wenn Kameralaute anrücken. "Da heißt es: ,Jetzt drehen die schon wieder'", sagt Hauptdarstellerin Dagmar Manzel. In Röthenbach seien die Einwohner sehr herzlich. Ein paar Worte auf fränkisch haben die ARD-Kommissare auch schon gelernt: "Weggla" und "passt scho". "Aber es wäre peinlich, wenn wir im Film fränkeln würden", lacht Manzel. Das überlassen sie und Fabian Hinrichs lieber Schauspieler-Kollegen und Kabarettisten Matthias Egersdörfer.
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