Ein unscharfes Bild

Unscharf ist das Bild, das die Ermittler bisher vom Copiloten der Unglücksmaschine haben. Etwas unscharf war auch das Foto des zweiten Flugschreibers, das der französische General David Galtier am Donnerstagabend in Marseille der Presse präsentierte. Das Gerät lieferte den Ermittlern weitere Indizien, die für einen absichtlich herbeigeführten Absturz des Germanwings-Flugzeuges sprechen. Bild: dpa

Der Copilot der Germanwings-Maschine hat seine Tat wohl nicht spontan ausgeführt. Er informierte sich im Internet unter anderem über den Sicherheitsmechanismus der Cockpittüren. Ganz scharf ist das Bild allerdings noch immer nicht, das man vom mutmaßlichen Täter hat.

Es muss ein merkwürdiges Gefühl für die Düsseldorfer Ermittler gewesen sein, die letzten Recherchen des Copiloten der Germanwings-Maschine auf seinem Tablet-Computer nachzuvollziehen. Anhand der von ihm eingegebenen Suchbegriffe können sie nun zum Teil rekonstruieren, worum seine Gedanken in den letzten Tagen vor der Katastrophe gekreist sind.

Keine voreiligen Schlüsse

Die Staatsanwaltschaft hat herausgefunden, dass sich der Copilot in der dritten Märzwoche über medizinische Behandlungsmethoden und Möglichkeiten eines Suizids informiert hat. Außerdem interessierte er sich für den Sicherheitsmechanismus der Cockpittüren. Das könnte bedeuten: Er wollte sich noch einmal vergewissern, dass sich die Cockpittüren wirklich nicht von außen öffnen lassen, wenn sie von innen verriegelt werden. Vielleicht wollte er letzte Zweifel ausräumen.

Die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf warnt jedoch deutlich vor voreiligen Schlüssen: "Aufgrund des Umfanges der Dokumente und der Vielzahl der Dateien sind weitere Ermittlungsergebnisse in den nächsten Tagen nicht zu erwarten." Zumindest ein Rückschluss liegt aber nahe: Ganz spontan handelte der Copilot nicht. Der 27-Jährige hat möglicherweise längere Zeit darüber nachgedacht, ein voll besetztes Passagierflugzeug als Suizidmittel zu wählen.

Am Karfreitagmorgen kommt dann eine Nachricht, die den Verdacht des absichtlich herbeigeführten Absturzes immer mehr zur Gewissheit werden lässt: Die erste Auswertung des zweiten Flugschreibers durch die französischen Behörden bestätigt, dass der Copilot die Maschine bewusst in den Sinkflug gebracht hat. Doch viele Fragen bleiben.

Offene Fragen

So weiß man noch nicht - und wird es vielleicht nie wissen: Hatte der Pilot die Möglichkeit vorher nur erwogen oder hatte er bereits den festen Entschluss gefasst? Wartete er vielleicht seit längerem auf die passende Gelegenheit, hätte es demnach auch einen ganz anderen Flug treffen können? Oder entschloss er sich erst im letzten Moment dazu, umzusetzen, was ihm bis dahin nur hin und wieder im Kopf herumgespukt war?

Einige Tage ist der Absturz nun her, und noch immer ist er Gesprächsthema. Manche finden das übertrieben - im Straßenverkehr kämen mehr Menschen um, sagen sie. Andere haben bisher immer den Vorbehalt geäußert, dass alles ja nur Vermutungen seien. Bewiesen sei die Täterschaft des Copiloten nicht. Sie ist es auch jetzt nicht. Aber sie ist wahrscheinlicher als alles andere.
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