Eine Idee mit zwei Lehrern

Simone Fleischmann ist die erste Frau an der Spitze des BLLV. Sie kämpft für eine bessere individuelle Betreuung der Schüler - und bringt gleich eine ungewöhnliche Idee mit ins Amt.

Die neue Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, will in Bayerns Schulklassen das "Zwei-Lehrer-Prinzip" einführen. Die immer weiter wachsenden Herausforderungen an den Schulen ließen die Lehrkräfte zunehmend an ihre Grenzen stoßen, erklärte Fleischmann in München.

In vielen Klassen wäre eine zweite Lehr- oder Fachkraft zumindest phasenweise für die professionelle Arbeit am Kind nötig. Neben zusätzlichen Pädagogen könnten dies je nach Bedarf Förderlehrer, Erzieher, Therapeuten oder Logopäden sein. "Wir brauchen mehr multiprofessionelle Teams in den Klassen", sagte Fleischmann.

Heterogene Klassen

Die Notwendigkeit dafür ergebe sich aus der zunehmend heterogenen Zusammensetzung der Klassen. Als Beispiel nannte sie eine 8. Klasse an der von ihr geführten Grund- und Mittelschule im oberbayerischen Poing mit 18 Schülern. Diese sei mit Rückkehrern aus Gymnasium und Realschule, Kindern von Asylbewerbern, verhaltensauffälligen und lernschwachen Kindern sowie Schülern mit psychischen oder körperlichen Einschränkungen besetzt. Für eine Lehrkraft sei es unter diesen Umständen schon schwer, den normalen Unterricht zu leisten. Die individuelle Förderung der Schüler nach ihren Begabungen oder die Integration neuer Schüler mit unterschiedlichen Bedürfnissen sei ohne Hilfe praktisch nicht mehr möglich.

Wieviel zusätzliches Personal bayernweit gebraucht würde, vermochte Fleischmann nicht zu sagen. Der Bedarf müsse von Klasse zu Klasse einzeln ermittelt werden. Die BLLV-Präsidentin sprach sich deshalb dafür aus, den Schulen für diese Zwecke ein eigenes Budget nach sozialen und pädagogischen Kriterien zuzuweisen. Die gegenwärtige Budgetierung nach dem Gießkannenprinzip sei "nicht sachgerecht". Auch zu den Kosten konnte Fleischmann keine Angaben machen. "Ein reiches Land wie Bayern muss das aber stemmen können", sagte sie. Seit 2010 seien die Steuereinnahmen um 23,7 Prozent gestiegen, der Bildungsetat aber nur um 15 Prozent. "Diese Diskrepanz ist für mich nicht nachzuvollziehen, diese Lücke muss geschlossen werden", betonte sie. Verbandspolitisch forderte Fleischmann eine bessere Bezahlung für Grund- und Mittelschullehrer. Diese leisteten bei allen fachlich und pädagogisch unterschiedlichen Anforderungen eine den Realschul- und Gymnasiallehrern gleichwertige Arbeit. "Wir arbeiten alle am Kind", sagte sie.

Kein Schubladen-Denken

Obwohl im BLLV überwiegend Grund-, Mittel- und Förderschullehrer organisiert sind, will sich Fleischmann weiter in die Debatten um Reformen an allen Schularten einmischen. "Wir wollen nicht in Schubladen denken, sondern haben unsere bildungspolitischen Grundsätze, die für alle Kinder gelten", erklärte sie. Von den 42 000 im BLLV organisierten aktiven Lehrkräften stammen 2800 von Gymnasien und rund 1000 von Realschulen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11034)Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.