Eine Sensation im Weltall

Grenzenlose Freude nach der gelungenen Landung von "Philae" herrschte bei Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain (links) und dem ukrainischen Astronomen Klim Tschurjumow, Mitentdecker des Kometen. Bild: dpa

Forscher auf der ganzen Welt feiern einen Meilenstein in der Geschichte der Raumfahrt. Zum ersten Mal ist eine Landung auf einem Kometen gelungen. Beim Aufsetzen gab es aber Probleme.

Zehn Jahre, acht Monate und zehn Tage nach dem Raketenstart setzte mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt das Landegerät "Philae" auf "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" auf. Nach der Landung am Mittwochnachmittag dann Aufregung am Abend: Zwei Harpunen zum Festzurren von "Philae" auf "Tschuri" wurden nicht ausgelöst, eine Düse zum Aufdrücken des Labors auf dem Kometen funktionierte nicht. Die Verbindung riss zwischendurch ab. Es gab aber auch schon Daten, darunter Bilder von der Kometenoberfläche.

Stephan Ulamec, "Philae"-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, vermutete, dass "Philae" womöglich sogar noch einmal abhob, dann aber wieder auf den Kometen zurückkehrte. "Wir sind also zweimal gelandet", sagte er im Scherz.

Glückwünsche gab es unter anderem von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) und von Brigitte Zypries (SPD), der Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt. Deutschland hat sich mit etwa 300 Millionen Euro an der Mission beteiligt. Die Europäische Weltraumorganisation Esa beziffert die Gesamtkosten auf 1,4 Milliarden Euro.

Gemütliches Tempo

Das Aufsetzen des Labors wird von manchen Experten mit der Mondlandung 1969 verglichen. Im Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt löste das Ereignis zunächst großen Jubel aus. "Der Tag heute ist historisch", sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. "Wir sind die ersten, denen das gelungen ist. Daran wird man sich erinnern." Das Ziel solcher Missionen sei, die Erde besser zu verstehen. "Wir hoffen auf Antworten zum Ursprung des Lebens auf der Erde", meinte der Darmstädter Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, Thomas Reiter. Das Labor war huckepack mit der Sonde "Rosetta" durch das All gereist und dann ausgesetzt worden. Während des siebenstündigen Landevorgangs auf der letzten Etappe von 22,5 Kilometern fuhr "Philae" bei dem gemütlichen Tempo eines Fußgängers die drei spinnenartigen Beine aus.

Wissenschaftler hoffen nach der Landung nun auf einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand. Kometen sollen weitgehend unveränderte Materie aus dieser Zeit enthalten - sie gelten als Boten der Vergangenheit. "Rosetta" und "Philae" haben zusammen etwa 20 Instrumente an Bord, um "Tschuri" unter die Lupe zu nehmen. (Angemerkt)

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