Eine unbeschreibliche Tragödie

Die damals sechs Jahre alte Sivarangani aus Sri Lanka wurde zwei Tage nach dem Tsunami 2004 im Wipfel einer Palme gefunden. Ihr Vater Sivam (rechts) überlebte die Katastrophe, ihre Mutter kam ums Leben. Archivbilder: dpa

An Weihnachten vor zehn Jahren hat die beispiellose Tsunami-Katastrophe die Welt erschüttert. In vielen Ländern wird heuer zum Jahrestag der Opfer gedacht. Und Hilfe wird noch immer gebraucht.

(dpa/KNA) Rund um den Indischen Ozean gedenken am zweiten Weihnachtsfeiertag Zehntausende Menschen der Opfer des verheerenden Tsunamis von 2004. Bei der Naturkatastrophe waren damals in Indonesien, Thailand, Indien, Sri Lanka und weiteren Ländern 230 000 Menschen ums Leben gekommen. An unzähligen Orten an den Küsten planen Überlebende und Angehörige von Opfern Zeremonien mit Gebeten, Gedenkminuten, Kerzen und Blumengaben. Größere Feiern sind unter anderem in Indonesien, Thailand und Sri Lanka geplant:

Indonesien: Die Insel Sumatra war am schlimmsten betroffen. Dort wird Präsident Joko Widodo am 26. Dezember mit Vertretern aus 35 Ländern und von vielen Hilfsorganisationen ein Massengrab besuchen. Die streng muslimische Provinz plant dort Gebete. Gleichzeitig findet in Banda Ache eine Messe statt, auf der Hilfsorganisationen Projekte zur Krisenprävention und Nothilfe vorstellen können.

Thailand: Unter den Toten waren mehr als 1000 ausländische Touristen. Deutsche Seelsorger planen am Strand der damals schwer getroffenen Touristenregion Khao Lak eine Gedenkfeier mit einem Grußwort von Bundespräsident Joachim Gauck, das der deutsche Botschafter verliest. Daran nehmen Angehörige von Opfern und Überlebende teil, die die Notfallseelsorge der evangelischen Kirche im Rahmen ihres Projekts "Hoffen bis zuletzt" begleitet.

Die Regierung gedenkt der Opfer am Polizeiboot T 813, das damals von der Tsunami-Welle Hunderte Meter ins Land gespült wurde und als Denkmal an Ort und Stelle belassen wurde. Regierungschef Prayuth Chan-ocha würdigt dort neben den Opfern die Helfer aus aller Welt, die damals teils monatelang im Katastrophengebiet im Einsatz waren.

Auf der Insel Phuket organisiert der Rotary-Club eine Zeremonie mit buddhistischen, muslimischen und christlichen Gebeten an der Gedenkmauer, die entstand, wo damals Opfer identifiziert wurden. Der Bürgermeister will abends am Strand mit Gästen Kerzen anzünden. Danach sollte eine koreanische Popband auftreten.

Sri Lanka: Dort erinnert ein Sonderzug mit 200 Überlebenden an die 1600 Opfer, die damals in einem Zug umkamen, den die Tsunami-Welle in Pereliya aus den Schienen riss. Der Zug soll dieselbe Strecke nehmen, an Bord soll ein Schaffner sein, der damals Dienst hatte. Im ganzen Land sind religiöse Zeremonien mit Opfergaben geplant.

Hilfe dauert an

Auch zehn Jahre nach dem Tsunami wirken sich die Spenden weiterhin zum Wohle Betroffener aus. Darauf wies das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe in Berlin hin, dem das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Unicef, Caritas International und die Diakonie-Katastrophenhilfe angehören. Auch das Bündnis "Entwicklung Hilft", in dem "Brot für die Welt", Medico International, Misereor, Terre des Hommes und die Welthungerhilfe zusammengeschlossen sind, betonte, dass die Katastrophe zu einer Stärkung der Nothilfe und der Prävention geführt habe.

DRK-Präsident Rudolf Seiters zog eine positive Bilanz zur Nachhaltigkeit der Hilfe. Bei den 147 Projekten, vor allem in Indonesien und Sri Lanka, sei es immer auch darum gegangen, "die Menschen für künftige Katastrophen widerstandsfähig zu machen, indem zum Beispiel Häuser in Indonesien erdbebenresistent gebaut wurden", so Seiters.

Caritas-Präsident Peter Neher verwies auf das Fachwissen der Mitarbeiter vor Ort: "Unsere Tsunami-Hilfe hat deshalb auf die Expertise lokaler Partner und die Selbsthilfe der Betroffenen gesetzt." Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, verwies auf neue Gefahren für die Region durch den Klimawandel. "Doch auch für diese menschengemachte Katastrophe sind die Maßnahmen der letzten zehn Jahre dienlich." Die Hilfsorganisation Care appellierte, die Katastrophen-Nothilfe angesichts komplexer Krisen dauerhaft weiterzuentwickeln.
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