Eine von drei Schwestern

100 Jahre St.-Georgskirche gilt es heuer in Hausen zu feiern. Bei aller Festseligkeit lohnt sich aber auch einmal ein Blick auf die Empore zur Königin der Instrumente, der Orgel.

Im Hausener und im Lauterachtal war Ende des 18. Jahrhunderts der Amberger Orgelbauer Johann Conrad Funtsch (1710 - 1792) gut im Geschäft. Noch heute sind seine Instrumente in Stettkirchen (1760), Zant (1778) und Hohenburg St. Salvator (1785) zu bewundern; zudem in der Nähe sein faszinierendes Werk auf dem Habsberg (1767).

Aber auch die Orgel in Hausen stellt eine Rarität dar. 1816 erbaut, ist sie in ihrer Substanz eines der drei noch erhaltenen Werke des Ambergers Wilhelm Hepp (1764 - 1832). Die beiden anderen stehen in Rechberg (1823, 2009 restauriert von der Firma Sandtner) und auf dem Velburger Herz-Jesu-Berg (1803). Dort ist eine Restaurierung ist in Planung.

Den Lehrmeister zitiert

Wilhelm Hepp war Geselle bei den Brüdern Funtsch, erwarb 1797 das kurfürstliche Orgelbauerpatent und führte die Werkstatt nach dem Tod von Johann Adam Funtsch (1721 - 1810) alleine weiter. Wie in Hausen zu sehen, zitierte er gern das Erkennungsmerkmal seines Lehrmeisters, den überhöhten Mittelturm mit den abfallenden Seitenfeldern. Seine Gehäuse gestaltete er aber, dem Zeitgeist entsprechend, viel schlichter als sein Lehrmeister. Die fünf grob geschnitzten, handfest agierenden Engel wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingefügt.

Das für die alte, kleinere Kirche konzipierte Werk besitzt acht Register. Fünf stammen noch von Hepp. 1890 hat Ludwig Edenhofer (damals Regen, jetzt in Deggendorf) in Zusammenarbeit mit dem Regensburger Domorganisten Hanisch die Quinte gegen eine Gambe 8' ausgetauscht und die Mixtur dem Zeitgeschmack entsprechend tiefer gelegt. Die verwurmte Holzflöte 4' wurde 1969 durch Weise aus Plattling nicht rekonstruiert, sondern durch gebrauchte Pfeifen verschiedener Herkunft ersetzt. Die originalen Windladen und die grundsolide mechanische Traktur mit den Abstrakten und Wellen aus Holz sind erhalten.

Notizen auf dem Notenpult

Über einige der Reparaturen erfährt man durch Bleistifteintragungen der Orgelbauer auf der Rückseite des hölzernen Notenpultes. Edenhofer schreibt hier, er habe das Instrument im Oktober 1914 in die neue Kirche transferiert. In Hinblick auf ihre Schwestern in Rechberg und Velburg möchte man auch der ehrwürdigen Orgel in Hausen eine fachkundige Restaurierung nach heutigem Stand der Erkenntnis wünschen. Sie würde die Klangphilosophie des Meisters Wilhelm Hepp auch nach 200 Jahren wieder zu vollem Glanz bringen.

Weitere Details erfahren Interessierte aus dem Buch "Historische Orgeln in der Oberpfalz" von Eberhard Kraus, erschienen 1990.
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