Einen Zünder kontrolliert gesprengt - 5300 Anwohner evakuiert [Laufend aktualisiert]
Die Bombe ist entschärft

Michael Filips (links) und Michael Weiß mit der entschärften Bombe.
 
Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (l.) und Entschärfer Dr. Andreas Heil. (Bild: nop)
 
Verpflegungsstelle des Bayerischen Roten Kreuzes. (Bild: BRK)
 
Joachim Wolbergs lässt sich von Dr. Andreas Heil die Bauweise der Bombe (ohne Sprengstoff) erklären. (Bild: nop)
Regensburg. (ehi/jak/nop/dpa) Die am Montag im Regensburger Stadtwesten bei Bauarbeiten gefundene Fliegerbombe wurde entschärft. Das teilte die Stadt Regensburg um 15.34 Uhr bei Twitter mit.

Am Sonntagmorgen mussten rund 5300 Menschen ihre Wohnungen verlassen, die rund um den Fundort in der Dornierstraße leben. Die Sperrzone wurde in einem Umkreis von 500 Metern um den Fundort herum eingerichtet. Es handle sich um die größte Evakuierungsmaßnahme in Regensburg seit Ende des Zweiten Weltkriegs, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Stadt hat einen knapp 100-köpfigen Krisenstab gebildet.

Bereits am Samstag war mit der Räumung des größten Krankenhauses der Oberpfalz, der Klinik Barmherzige Brüder, begonnen worden. Rund 110 Patienten mussten in benachbarte Krankenhäuser gebracht werden.

Sonntag, 15.34: Die Bombe ist entschärft

Die Stadt Regensburg meldet: Die Bombe ist entschärft. Das Sprengkommando Süd der Firma Tauber habe beide Zünder entfernen können. Einer der beiden Zünder habe eine kleine Menge Sprengstoff beinhaltet und sei planmäßig noch vor Ort in 3,50 Meter Tiefe gesprengt worden.

Die entschärfte Bombe wird derzeit zur Entsorgung vorbereitet. Die Straßen bleiben gesperrt, bis die Bombe abtransportiert wurde.

Wegen eines Wasserrohrbruchs am Fundort musste der Sprengmeister seine Arbeit für 30 Minuten unterbrechen. Ein Bagger hatte eine Wasserleitung beschädigt. Das auslaufende Wasser sickerte in die Grube, in der die Bombe unschädlich gemacht werden sollte.

Sonntag, 14.45 Uhr: Zwei Notunterkünfte werden geschlossen


Aufgrund der geringen Nachfrage werden die Notunterkünfte in der Berufsschule II in der Alfons-Auer-Straße und im Werner-von-Siemens-Gymnasium ab sofort geschlossen. Wer bis zur endgültigen Entschärfung noch eine Unterkunft sucht, sollten sich an die Notunterkünfte in der Grundschule Königswiesen und am Von-Müller-Gymnasium wenden. Von dort wird ein Busshuttle-Service alle Betroffenen nach der Entwarnung wieder zurück zu ihren Wohnungen bringen.

Sonntag, 14 Uhr: Einsatzkräfte versorgen Bewohner und warten auf Rücktransport

Aktuell warten 56 Rettungs- und Krankentransportwagen an der Conti-Arena darauf, die 112 Patienten wieder in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder bringen zu können. Die evakuierten Bewohner wurden in den vier eingerichteten Betreuungsstellen mit einem warmen Mittagessen aus den beiden BRK-Feldküchen versorgt.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ist mit 215 Einsatzkräften vor Ort. Weitere 51 Einsatzkräfte werden von der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Malteser Hilfsdienst und den Regensburger Krankentransporten gestellt. Neben diesen 266 Einsatzkräften werden 70 Einsatzfahrzeuge vorgehalten.

Sonntag, 13.30 Uhr: Dr. Andreas Kestler, Geschäftsführer Barmherzige Brüder, zur Evakuierung

„Es sind alle gut angekommen“, fasst Dr. Andreas Kestler, Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder, die Evakuierungsmaßnahmen des Krankhauses zusammen. 112 Patienten wurden am Samstag und Sonntag in Kliniken in der Umgebung verlegt. Darunter auch 27 Intensivpatienten, die am Sonntagmorgen als letztes die Klinik verlassen hatten. „Punkt 9 Uhr 27 ist der letzte Intensivpatient in seinem Bett angekommen.“

Bei der Evakuierung und während der Entschärfung der Fliegerbombe in Regensburg sind zahlreiche Helfer im Einsatz, darunter die vom BRK. Wir zeigen Eindrucke von ihren Einsatzstellen. (Bilder: BRK)

Seitdem laufe für die Patienten wieder alles regulär. Alles sei „sehr entspannt und mit professioneller Ruhe“ abgelaufen, betonte er. Auch die Rückmeldung der Patienten sei durchweg positiv. Diese würden mitbekommen, dass man sich sehr um sie kümmere. Außerdem würden auch für die Rückabwicklung der Evakuierung bereits genügend Verlegungsfahrzeuge bereitstehen.

„Wir stehen Gewehr bei Fuß“, ergänzte Kestler. Circa eine Stunde nach Aufhebung der Evakuierung werde das Krankenhaus dann auch wieder aufnahmebereit sein. Normalerweise würden täglich rund 120 Patienten in das Notfallzentrum der Barmherzigen Brüder kommen. „50 bis 60 davon sind so krank, dass sie stationär aufgenommen werden müssen."

Sonntag, 12 Uhr: Lagebesprechung von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr

"Bis auf eine Handvoll" Personen habe die Evakuierung reibungslos funktioniert, berichtet leitender Polizeidirektor Manfred Jahn. Einige ausländische Mitbürger hätten wohl Verständnisprobleme bei den schriftlichen und mündlichen Ankündigungen gehabt, seien aber schnell überredet worden. Außerdem habe eine Party in einer Wohnung aufgelöst werden müssen. Auch hier hatten die Bewohner mangels Sprachkenntnissen den Ernst der Lage zunächst nicht erkannt.

Sebastian Lange vom Roten Kreuz berichtete, dass die Rettungsdienste nun "nur noch auf das Go" warten, um die Menschen wieder zurückbringen zu dürfen. Johannes Buchhauser von der Berufsfeuerwehr teilte das Lob der anderen beiden Sprecher für die "disziplinierte und freundliche Art" der Bürger auf, mit der sie den Anweisungen gefolgt sind. Alle rund 650 Einsatzkräfte seien auf ihrer Position, die Entschärfung kann beginnen.

Sonntag, 11.30 Uhr: Dr. Andreas Heil zur Entschärfung

Dr. Andreas Heil von der Firma Tauber Spezial Tiefbau, die mit Entschärfung der Bombe beauftragt wurde, betont, eine Sprengung der Bombe sei "auf keinen Fall zu erwarten“. Der Fall, dass eine Bombe gesprengt werden müsse, sei wie ein Sechser im Lotto mit Superzahl. Und selbst wenn sie gesprengt werden müsste, würde das nicht heute stattfinden.

Die Firma ist mit zwei Teams vor Ort, die aber nicht gleichzeitig an der Bombe sind, sondern sich gegenseitig unterstützen. Die Bombe ist vermutlich durch den Aufprall stark deformiert, ebenso der Kopfzünder der Bombe. Deswegen könnte es eventuell zu Problemen beim Ausbau des Zünders kommen. Diese Probleme sind aber zeitlich schon einkalkuliert.

Am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr starteten die ersten Sonderbusse in Richtung Turnhallen in Regensburg. Dort können die evakuierten Anwohner bis zur Entschärfung der in der Dornierstraße gefundenen Fliegerbombe unterkommen. (Bilder: Eva Hinterberger / Franz Nopper / dpa)

Das zweite Problem ist der eigentliche Fundort der Bombe. Sie liegt sehr flach im Boden und im Wohngebiet. Die Tatsache, dass einfach ein Haus darüber gebaut wurde, kommentierte Heil mit den Worten: „Das war früher halt so üblich.“

Aufgrund der Lage sei auch eigentlich ein Sicherheitsradius von 1000-1200 Metern vorgeschrieben. Durch das Ausheben des Loches wird dieser auf 500 Meter reduziert. Die Bombe wird für die Entschärfungsmaßnahmen „unter größten Vorsichtsmaßnahmen“ in das Loch umgelagert.

Sonntag, 11 Uhr: Zünder muss wohl gesprengt werden

Sobald alle vorbereitenden Maßnahmen abgeschlossen sind, werde das Sprengkommando benachrichtigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Dann könne mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden. Allerdings müsse voraussichtlich damit gerechnet werden, dass für die Entschärfung der Zünder der Bombe entfernt werden und anschließend gesprengt werden muss.

Diese Sprengung sei absolut gefahrlos, erzeuge lediglich einen laut hörbaren Knall, der geplant sei und nicht zu einer Beunruhigung der Bevölkerung führen sollte.

Sonntag, 10.45 Uhr: A 93 gesperrt, gute Stimmung in Notunterkunft

Die Autobahn 93 wird ab 11 Uhr in den geplanten Bereichen gesperrt. Da die Evakuierung schneller abgeschlossen ist als erwartet, wird die Entschärfung bereits gegen 11.30 Uhr beginnen. Das Loch, in dem die Bombe dafür liegen soll, wurde bereits gegraben.

In der Notunterkunft Königswiesen halten sich rund 100 Bürger auf. Die Stimmung ist gut. Es gibt Getränke und Essen. OB Wolbergs und die Helfer ernten Applaus. In den anderen beiden Turnhallen sind zusammen nur zehn Bürger. Wie erwartet, hätten sich die Leute andere Ausweichmöglichkeiten gesucht, so Wolbergs.

Sonntag, 10 Uhr: Sperrzone ist evakuiert

Lautsprecherwagen fahren durch das Sperrgebiet und fordern eventuelle Nachzügler auf, das Gebiet zu räumen. Ein Pressebus mit OB Wolbergs besucht die Gegend. "Es läuft alles super", erklärt der Oberbürgermeister.

Nur wenige Bürger haben die Notunterkünfte bezogen, die meisten haben wohl bei Nachbarn oder Verwandten einen Platz gefunden oder sind einfach unterwegs, schließlich ist Feiertag. Um kurz nach 10 Uhr vermelden unsere Mitarbeiter vor Ort: "Grünes Licht." Die Sperrzone sei komplett frei von Menschen. Die Einsatzkräfte ziehen sich zurück an den Rand der Absperrungen und in Einsatzräume. Damit beginnen auch die Maßnahmen zur Entschärfung.

Sonntag, 8 Uhr: Evakuierung läuft

Joachim Wolbergs, Oberbürgermeister von Regensburg sagt, es sei "alles entspannt". Er gehe davon aus, dass die Entschärfung um die Mittagszeit starten werde. Im Einsatz seien 180 Polizisten.

In der Conti-Arena sind laut Sebastian Lange, Rettungsleiter Rotes Kreuz, rund 200 Einsatzkräfte vom Roten Kreuz, der Regensburger Krankentransporte, den Maltesern und Johannitern stationiert. Sie schwärmen von hier aus aus, um die Leute unter anderem in den Notunterkünften zu versorgen (Turnhallen der Grundschule Königswiesen, des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, des Von-Müller-Gymnasiums und der Städtischen Berufsschule II in der Alfons-Auer-Straße).

In der Klinik Barmherzige Brüder wurden am frühen Morgen die letzten 20 Intensivpatienten verlegt in das Krankenhaus St. Hedwig. Dazu sind drei Intensivtransportwagen im Einsatz. Insgesamt gibt es in ganz Bayern sechs davon, einer ist regulär in Regensburg bei den Barmherzigen stationiert.

Lange zeigte sich zufrieden mit der Situation am Morgen: „Wir sind unserem Zeitplan vorraus. Alles ist bestens vorbereitet.“

Weitere Informationen und Bilder

Die Autobahn 93 wird zur Evakuierung zeit- und abschnittsweise gesperrt:


Am Sonntag ab 8 Uhr werden zunächst die Ausfahrten Prüfening aus beiden Richtungen gesperrt.
Während der gegen Mittag geplanten Entschärfung wird die Autobahn zwischen Regensburg-Pfaffenstein und Prüfening komplett gesperrt sein.
Die Entschärfung wird voraussichtlich am Mittag starten. Der Zeitpunkt hängt auch davon ab, wie die Evakuierung verläuft. Schnell gehen wird die Entschärfung wohl nicht: Sie soll rund fünf Stunden dauern.



Bei einem guten Verlauf der Arbeiten rechnen die Verantwortlichen damit, dass die Betroffenen ab dem späten Nachmittag in ihr Zuhause zurückkehren können.

In der Klinik Barmherzige Brüder laufen die Vorbereitungen für die für Sonntag geplante Bombenentschärfung im Westen Regensburgs. Bilder: Elisabeth Lehner


Am Sonntag wird im Regensburger Stadtwesten eine Fliegerbombe entschärft. Rund um den Fundort in der Dornierstraße müssen Anwohner sowie Patienten der Klinik Barmherzige Brüder evakuiert werden. (Bilder: dpa)
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