"Eizellenbank" in Klinik: Fünf Jahre Haft für Arzt

In einer Universitätsfrauenklinik wird Flüssigkeit auf vorhandene Eizellen für eine künstliche Befruchtung untersucht. Ein Reproduktions-Mediziner aus Oberfranken ist zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Symbolbild: dpa

Jahrelang hat ein Mediziner aus Oberfranken betrogen - unter anderem beim Versuch, Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch zu einem Baby zu verhelfen. Nun fiel in Hof das Urteil gegen den Mann.

Wegen mehrerer Straftaten hat das Landgericht Hof einen Reproduktionsmediziner aus Bayreuth für fünf Jahre ins Gefängnis geschickt. Die Kammer verurteilte ihn unter anderem wegen Verstößen gegen das Embryonenschutzgesetz und das Transplantationsgesetz. Er habe in seinen Klinikräumen eine Art "Eizellenbank" aufgebaut - um Frauen mit Kinderwunsch Eizellen fremder Frauen einzusetzen, erläuterte der Vorsitzende Richter Siegbert Übelmesser am Dienstag in der Urteilsbegründung. Dies ist in Deutschland verboten.

Laut einem Medienbericht müssten Hunderte Frauen, auch aus der Oberpfalz, mit der Ungewissheit leben, ob der Arzt mit ihren Eizellen fremden Frauen den Kinderwunsch erfüllt hat. Zudem hat der Mediziner laut Urteil mehr als eine Million Euro Steuern hinterzogen sowie bei den Abrechnungen für die Kassenärztliche Vereinigung betrogen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er von 2007 bis 2012 sowohl Bareinnahmen in seiner Klinik als auch Kapitalerträge auf Vermögen im Ausland nicht korrekt versteuert hatte. Strafmildernd habe sich ausgewirkt, dass der Angeklagte die Vorwürfe vor Gericht eingeräumt hatte, sagte Übelmesser weiter. Zwar sei es verständlich, wenn er Paaren mit Kinderwunsch habe helfen wollen. Andererseits habe der Arzt auch aus Gewinnstreben gehandelt und über einen langen Zeitraum hinweg eine Vielzahl von Straftaten begangen. Zudem habe er seine Mitarbeiter in seine Machenschaften hineingezogen - sie hätten beispielsweise fingierte OP-Berichte erstellen müssen. Die Kammer verhängte ein Berufsverbot von drei Jahren. Mit fünf Jahren Gefängnis blieb sie deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die achteinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Kommentar)
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