Emilia Müller schlägt den Finanzstaatssekretär aus Parsberg als Nachfolger vor
Vorschusslorbeeren für Füracker

Stabswechsel: Sozialministerin Emila Müller (von links), Staatssekretär Albert Füracker und Ministerpräsident Horst Seehofer.

Das offene Geheimnis ist gelüftet: Emilia Müller will am 18. Juli nicht mehr für den CSU-Bezirksvorsitz kandidieren. Die Sozialministerin schlägt den neuen starken Mann der Oberpfalz als Nachfolger vor: den Finanzstaatssekretär Albert Füracker aus Parsberg.

Sie ist nicht zu beneiden. Emilia Müller kämpft seit Monaten an mehreren Fronten. Privat kümmert sich die Bruckerin um die kranke Mutter, die an diesem Wochenende ihrer schweren Krankheit erlag. Als Ministerin versucht sie den Notstand der bayerischen Asylpolitik zu managen. Jetzt zieht die 63-Jährige die Notbremse.

Es ist mehr als ein höflicher Nachruf, mit dem Parteifreunde sonst ihre Ausscheider verabschieden: "Wir hatten als Oberpfalz-CSU noch nie eine so starke Repräsentanz in Partei und Staatsregierung", beschreibt der Amberger Landtagsabgeordnete Harald Schwartz die Lage, seit Emilia Müller 2008 an die Spitze rückte.

Glückliche Hand

Optimierungsbedarf kann der für seine kritischen Positionen bekannte Wirtschaftsanwalt auch nach längerem Nachdenken kaum ausmachen: "Man kann hoffen, dass Albert eine genau so glückliche Hand hat", geht er davon aus, dass Fürackers Wahl alternativlos ist. "Mir fällt niemand ein, der gegen das einzige Kabinettsmitglied, das wir außer Emilia haben, eine Chance hätte." Schwartz lobt den kollegialen Führungsstil der Chemotechnikerin, von dem er hofft, dass ihn ihr Nachfolger beibehalten werde: "Früher sagte der Vorsitzende schon mal, ,ich erkläre euch jetzt die Welt'", spöttelt der Jurist. "Bei Emilia reden von 20 Personen 18 - das ist wohltuend." Und sie sei konstruktiver Kritik zugänglich: "Sie hat die Souveränität, bei der Planung des Bezirksparteitags Änderungsvorschläge zu berücksichtigen." Das sei nicht selbstverständlich.

Das Amt des CSU-Bezirkschefs sei nicht zu unterschätzen: "Du vereinigst Kräfte aller Ebenen, vom Bürgermeister, der sich für Förderungen im innerörtlichen Bereich interessiert, bis zum Europaabgeordneten, der über Lampedusa reden möchte." Der neue Mann an der Spitze müsse in einer heterogenen Landschaft, zwischen der Boomtown Regensburg einerseits und ausgedünnten ländlichen Räumen andererseits, Ausgleich schaffen. Beispiel Behördenverlagerung: "Ohne einen langen Vermittlungsprozess wäre der Abzug von Personal aus der Stadt Regensburg in nördliche Gefilde nicht so geräuschlos über die Bühne gegangen."

"Emilia Müller war eine der Mitkämpferinnen, die die Frauenpolitik entscheidend geprägt hat", schwärmt Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger (CSU) vom Rollenvorbild der in vielen Bereichen ersten Frau. Als Landesvorsitzende der Frauenunion habe sie die CSU maßgeblich geprägt. "Wir waren noch nie so gut dagestanden, verbuchten hervorragende Wahlerfolge und vier Oberpfälzer sind heute im Parteivorstand präsent."

Den wahrscheinlichen Nachfolger Füracker nennt die Ambergerin einen "Politiker durch und durch, einen sehr eloquenten Redner, der die Dinge auf den Punkt bring, begeistern kann und sehr direkt und glaubhaft ist - besonders das gefällt mir, weil ich auch so bin", sagt sie lachend. Sie setze große Hoffnung auf die unter Markus Söder und Füracker begonnene Fokussierung des ländlichen Raums: "Die Behördenverlagerung tut uns natürlich gut, egal ob in der nördlichen oder mittleren Oberpfalz." Amberg, wo der Verlust der Leopoldkaserne besonders schmerze, wisse Füracker bei dem Plan an seiner Seite, den Bahnhof zu einer Drehscheibe zu entwickeln.

Wurzeln nicht vergessen

Christian Doleschal, Bezirksvorsitzender der Jungen Union Oberpfalz, nennt die Stimmung pro Füracker "relativ eindeutig". Der 26-Jährige lobt den Kandidaten mit Stallgeruch der Jungen Union. Anders als Emilia Müller, die eine besondere Verbundenheit zur Frauenunion pflege. "Ich habe die Hoffnung, dass die Kombination Söder/Füracker ihre Wurzeln nicht vergisst." Und sollte doch mal einer die Bodenhaftung verlieren - zumal Doleschal fest damit rechnet, dass Füracker dem nächsten Kabinett nebst zweitem Oberpfälzer als Minister angehört - "werden wir als Vertreter der JU und des Nordens darauf achten, dass unsere Region nicht zu kurz kommt".

Inzwischen gibt es auch Vorschläge für den neu zu besetzenden vierten Stellvertreterposten: "Auch Landrat Andreas Meier ist dem JU-Alter nur knapp entwachsen, und wir arbeiten gut zusammen." Er sei als Nachfolger Simon Wittmanns bestens geeignet, zusammen mit Harald Schwartz, Sylvia Stierstorfer und Markus Sackmann die Oberpfälzer Vielfalt darzustellen. "Eine gewisse Erneuerung ist da nicht schlecht", sagt Doleschal.
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