Empörung über neue Schleuserpraxis im Mittelmeer
Verfrachtet wie Tiere

Die 360 Flüchtlinge auf der "Ezadeen" kamen am Samstag im Hafen der süditalienischen Stadt Corigliano Calabro an und wurden in Aufnahmelager gebracht. Die Flüchtlinge waren von den Schleusern auf hoher See im Stich gelassen worden. Bild: dpa
Die neue Methode der Menschenschmuggler, Flüchtlinge im Meer auf führerlosen Schiffen zurückzulassen, hat Empörung ausgelöst und den Ruf nach Konsequenzen laut werden lassen. Diese Taktiken erforderten auch neue Antworten, sagten die Chefs der Deutschen Polizeigewerkschaft und der Bundespolizeigewerkschaft DPolG, Rainer Wendt und Ernst Walter. Das jetzige Verfahren sei "völlig verfehlt". Auch Grünen-Chefin Simone Peter forderte die EU am Samstag angesichts der Tragödien auf, "ihre grausame Abschottungspolitik" zu beenden.

Ein altes Schiff für einige Hunderttausend Euro kaufen, Millionen kassieren - für die Schleuser lohnt sich das Geschäft. Zwischen 4000 und 8000 Dollar hätten sie für die Überfahrt auf dem fast 50 Jahre alten Viehtransporter "Ezadeen" bezahlt, berichteten einige der 360 Flüchtlinge den italienischen Behörden.

Bilder aus dem Innern des Schiffs, das unter der Flagge Sierra Leones fuhr, lösten unterdessen neue Empörung aus. Mit dünnen Decken, ohne Nahrung und Strom mussten die Menschen laut italienischen Medien tagelang in den Viehboxen unter Deck ausharren. Die Migranten berichteten, die Schleuser hätten während der Fahrt ihre Gesichter stets verhüllt, um anschließend unerkannt entkommen zu können.

Wendt nannte es einen großen Fehler, dass "Mare Nostrum" vom Einsatz "Triton" abgelöst wurde, der von der EU-Grenzschutzagentur Frontex koordiniert wird. Nun werde den "Schleusern das ganze Mittelmeer überlassen", sagte er.
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