Ende des 36-Stunden-Dramas

Eine verletzte Passagierin der griechischen Fähre "Norman Atlantic" wird nach ihrer Bergung im Hafen der italienischen Stadt Bari von Bord gebracht. Unter den 427 Geretteten waren am Montag auch Menschen, die nicht auf der Passagierliste des Schiffes standen - möglicherweise illegale Einwanderer. Bild: dpa

Die Zahl der Todesopfer nach dem Fährunglück in der Adria steigt weiter. Mittlerweile seien zehn Leichen geborgen worden, sagte der italienische Transportminister Maurizio Lupi am Montag. 427 Menschen wurden demnach gerettet. Die Suche nach Vermissten geht weiter.

Die Rettung der Menschen von Bord der havarierten Adria-Fähre "Norman Atlantic" ist am Montag nach etwa 36 Stunden zu Ende gegangen. Von Bord sei als letzter auch der Kapitän gegangen, teilte die italienische Küstenwache am Montag mit. An Bord waren Sonntagfrüh 478 Menschen, als auf dem Schiff vor der griechischen Insel Korfu der Brand ausbrach. Unter den Passagieren waren auch 18 Deutsche.

Vorwürfe gegen Besatzung

Die Fähre der griechischen Anek-Lines liegt noch vor der albanischen Küste. Die ganze Nacht hatten die Retter die Menschen mit Hubschraubern von Bord der qualmenden Fähre gebracht. Wind, Dunkelheit und Kälte erschwerten die Operation. Unklar war die Zahl der Geretteten. Die Marine sprach am Mittag von 419, die Küstenwache von 407. Unter den Geretteten waren am Montag auch Menschen, die nicht auf der Passagierliste standen, hieß es auf einer Pressekonferenz. Möglicherweise handelt es sich um illegale Einwanderer.

Das Containerschiff "Spirit of Piraeus", das zur Hamburger Rickmers-Gruppe gehört, lief mit 49 Geretteten am Morgen in Bari (Italien) ein. Ein weiteres Schiff mit knapp 70 Geretteten war auf dem Weg nach Igoumenitsa in Griechenland, viele Gerettete waren außerdem noch auf dem Marineschiff "San Giorgio" unterwegs.

Ein Augenzeuge erzählte: "Ich habe vier tote Personen gesehen, mit meinen eigenen Augen, ich bin sicher. Sie waren vor mir", zitierte die Agentur Ansa einen Passagier. Andere erzählten von Schlägereien an Bord. Und wieder andere erhoben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung. "Eigentlich hätten wir mit einem anderen Schiff fahren sollen. Wir haben das erst im Hafen gemerkt. Als wir es gesehen haben, ist uns etwas mulmig geworden", sagte Rania Fyreou im griechischen Fernsehen. "Auf dem Schiff gab es keinerlei Koordination. Das Personal war praktisch nicht vorhanden."

Brandursache noch unklar

Die Staatsanwaltschaften in Bari und Brindisi leiteten Ermittlungen wegen fahrlässigen Schiffbruchs und fahrlässiger Tötung ein. Die italienische Reederei Visentini erklärte, mit den Behörden zu kooperieren. Das Schiff habe alle Zertifikate gehabt und sei fahrtüchtig gewesen. Bei einer Inspektion am 19. Dezember waren leichtere Mängel an der "Norman Atlantic" moniert worden.

Über die Ursache des Brandes, der vermutlich im Autodeck ausgebrochen war, wurde weiter spekuliert. Lkw-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Viele Laster hätten Olivenöl geladen. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen.
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