Endlich mal der Mörder sein

Mit der Fernsehserie "Ich heirate eine Familie" wurde Peter Weck Mitte der 80er Jahre einem Millionenpublikum bekannt. Seither durfte er immer wieder den sanften Familienmenschen spielen. Bild: dpa

Er spielte Prinzen und Liebhaber, Spitzbuben und andere komische Gesellen, er mimte den Familienvater und den fürsorglichen Opa - Peter Weck war stets der sympathische Charmeur mit Wiener Schmäh. Dass der heute 84-Jährige auch einige ernste Rollen spielte, blieb meist im Verborgenen.

Die Fernsehnation sah in dem Österreicher den Traum-Schwiegersohn und irgendwann den Wunsch-Großvater. Nach einer zweijährigen Pause kehrte der Schauspieler im Herbst auf den Bildschirm zurück - und überraschte sein Publikum als mordender Rentner im "Tatort". Der Imagewandel ist geglückt. Immer mehr spannende Rollenangebote landen seither auf seinem Tisch.

Es war der erste Mörder, den Weck in seiner 60-jährigen Film- und Fernsehkarriere gespielt hat. Und das Einzige, was den Schauspieler überrascht, ist, dass nun alle überrascht sind. "Gekonnt hätte ich das früher auch, aber die Angebote waren andere", erzählt er beim Interview im Grand Hotel in Wien. Die Bedienung serviert Cappuccino und Gugelhupf. "Ich habe in meinem Leben ja so viel gespielt, im Theater die Klassiker rauf und runter. Jetzt sind viele überrascht, dass ich lieber ernste Rollen spiele. Das ist ja rührend, aber eigentlich traurig."

Viele Pläne für 2015

Weck hat gerade Dreharbeiten in Berlin abgeschlossen und schon Pläne für 2015 im Kopf. Spruchreif sei noch nichts, aber es gebe weitere Angebote für ernste Rollen. Er sichtet Drehbücher und gibt zwischendurch Leseabende. Es fällt schwer zu glauben, dass der Mann mit dem vollen, schlohweißen Haar im kommenden Sommer 85 wird. "Und das völlig ohne mein Zutun", sagt er und zuckt schon fast entschuldigend mit den Schultern. Er habe wohl gute Gene.

Der plötzliche Tod seiner Frau Ingrid im Frühjahr 2012 hatte den Fernsehstar aus der Bahn geworfen. 45 Jahre waren die beiden verheiratet. In tiefer Trauer sagte er alle Filmangebote ab, zog in eine neue Wohnung und versuchte, ins Leben zurückzufinden. "Ich habe jetzt zwei Jahre pausiert. Das habe ich gebraucht."

Freunde und Familie hätten ihn jedoch ermutigt, wieder anzugreifen. Seine Tochter habe gesagt: "Bitte kein Peter-Alexander-Syndrom und mit allem aufhören und Schluss machen." Er sei nahe dran gewesen, sagt er. Aber: "Ich bin ein Kämpfer. Immer schon gewesen." Und dann, als er bereit war, wieder zu arbeiten, kam ihm das "Tatort"-Drehbuch "in die Hände geflattert". Eine Rolle als mordender Altenheimbewohner? Da hat er sofort zugesagt.

Die ideale Gelegenheit für Weck, das Image als "fönfrischer Silberschnuckel" - wie ihn das Magazin "Der Spiegel" einst genannt hatte - etwas zu torpedieren. Und das bereitet ihm ganz offensichtlich großes Vergnügen. Druck empfindet er keinen mehr: "Ich muss keine Karriere mehr machen. Das war jetzt der Ankick zum letzten Drittel. Oder Viertel. Oder Zehntel", sagt er und lacht sein spitzbübisches Lachen.

Dass er vor allem in den 50er und 60er Jahren oft in klamaukigen Filmen spielte, macht ihm nichts aus: "Das war ein einfaches Strickmuster, das damals eben aufgegangen ist und heute im Sonntagvormittagsprogramm immer wieder aufgewärmt wird." Das habe sich durch einige andere Rollen ein bisschen übertünchen lassen, sagt er. Außerdem hat Weck auch immer erkannt, wann es an der Zeit war, etwas Neues zu machen. Monotonie habe er nie haben wollen, erzählt er.

Trauerphase beendet

Als Wiener Sängerknabe schnupperte der Österreicher einst erste Bühnenluft, am Max-Reinhardt-Seminar studierte er Schauspiel, im legendären Burgtheater spielte er in Literaturklassikern mit, als Regisseur schuf er TV-Erfolge wie "Ich heirate eine Familie" und schließlich machte Weck als Intendant Wien zur Musical-Metropole.

Viel wichtiger ist für Weck, dass er neuen Lebensmut gefasst und den Schritt zurück vor die Kamera getan hat. Der Grandseigneur der Film- und Fernsehbranche ist nach einer Trauerphase wieder da. Nach dem Interview muss er los zu einer Besprechung. Froh gelaunt nimmt er Hut und Mantel und verabschiedet sich. "Ich muss zwar quer durch die Altstadt, aber ich gehe zu Fuß. Meine Frau hat immer gesagt, ich soll mich viel bewegen."
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