Entsetzen über Morde auf Flüchtlingsboot

Christen und Muslime geraten auf einem Flüchtlingsboot in Streit, zwölf Menschen werden über Bord geworfen - vermutlich aus "religiösem Hass". Das Entsetzen nach dem Vorfall auf dem Mittelmeer ist groß.

(dpa/za) Die italienischen Behörden ermitteln gegen 15 muslimische Migranten, die auf einem Flüchtlingsschiff zwölf Christen über Bord geworfen haben sollen. "Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Die Festgenommenen wurden mehrmals verhört, auch diejenigen, die sie beschuldigt haben", sagte Staatsanwalt Francesco Lo Voi. Den 15 Männern wird mehrfacher Mord vorgeworfen.

Motiv: "Religiöser Hass"

Das Schlauchboot der Migranten war nach Angaben der Polizei mit etwa 100 Menschen am Dienstag von Libyen aus in See gestochen. Vor Sizilien kam es Zeugenaussagen zufolge zu einem Streit zwischen Christen und Muslimen, in dessen Folge zwölf Christen aus Ghana und Nigeria über Bord geworfen wurden. Grund für den Streit sei "religiöser Hass", teilte die Polizei mit. Die mutmaßlichen Täter stammten aus Mali, dem Senegal und der Elfenbeinküste. Die Schilderungen der Überlebenden sorgten für Entsetzen und Fassungslosigkeit in Italien. "Es ist wirklich schrecklich, was auf dem Meer passiert ist", sagte Staatsanwalt Lo Voi. Italien ächzt unter dem weiter zunehmenden Ansturm Verzweifelter, die sich auf die Überfahrt von Afrika über das Mittelmeer machen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat angesichts der jüngsten Flüchtlingstragödien eine Neuauflage der Seenotrettungsmission "Mare Nostrum" gefordert. Özoguz forderte bei einem Redaktionsbesuch in unserem Weidener Verlagshaus zudem, Aufklärungsarbeit in den Herkunftsländern zu leisten. "Die größte Tragik liegt für mich darin, dass Menschen auch deshalb auf dem Mittelmeer ertrinken, weil sie nicht wissen, dass sie sich als Fachkräfte bei uns hätten bewerben können."

Gipfel am 8. Mai

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat unterdessen die Länder aufgefordert, abgelehnte Asylbewerber schneller abzuschieben. Bund und Länder wollen am 8. Mai bei einem Spitzentreffen in Berlin über die wachsende Zahl von Flüchtlingen beraten. Das kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert an. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sowie Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) und de Maizière wollen sich dazu mit mehreren Ministerpräsidenten zusammensetzen. (Seite 8)
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.