Erste Frau an Lehrer-Spitze

Vier von fünf Mitgliedern des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes sind heute weiblich. Doch auf dem Chefsessel saßen bisher immer nur Männer - dies soll sich nun ändern. Die Delegierten beraten zudem über die Zukunft der Mittelschulen.

Die größte Pädagogen-Organisation Bayerns soll nach mehr als 150 Jahren erstmals von einer Frau geführt werden. Die rund 550 Delegierten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) tagen seit Donnerstag in Augsburg und wollen heute ein neues Präsidium wählen. Als neue Präsidentin kandidiert die 44-jährige Simone Fleischmann, die Rektorin der Volksschule im oberbayerischen Poing. Eine Gegenkandidatur wird nicht erwartet.

Zu den Schwerpunkten der Tagung gehört die Zukunft der Mittelschule in Bayern. Langfristig, so fürchtet der Verband, sind fast 400 dieser Schulen in ihrer Existenz bedroht, sollte das Kultusministerium kein schlüssiges Konzept vorlegen. In den vergangenen sieben Jahren seien in Bayern 19 rechtlich eigenständige Grundschulen und 75 Mittelschulen wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen worden.

Stabile Übertrittsquoten

Die Zahl 400 sei völlig aus der Luft gegriffen, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag. Knapp 900 selbstständige Mittelschulen gebe es derzeit im Freistaat. Vor mehreren Jahren habe das Ministerium Mittelschulverbände ermöglicht, um zu verhindern, dass Schulen schließen müssen. Dies habe sich bewährt. Nach Ministeriumsangaben sind die Übertrittsquoten stabil: Etwa 30 Prozent eines Schülerjahrgangs wechseln nach der Grund- auf die Mittelschule.

BLLV-Präsident Klaus Wenzel wird nach acht Jahren nicht mehr antreten. Der 65-Jährige begrüßt es, dass nun voraussichtlich erstmals eine Frau an die Spitze des Lehrerverbandes kommt. Dies sei an der Zeit, sagte er. Der 1861 gegründete BLLV hat rund 60 000 Mitglieder, zu etwa 80 Prozent sind dies Frauen.

Mehr Geld, mehr Zeit

Die designierte Verbandschefin Fleischmann ist schon seit Jahren Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft des BLLV und somit auch Vorstandsmitglied. Die studierte Hauptschullehrerin und Schulpsychologin leitet seit 2007 die Anni-Pickert-Grund- und Mittelschule in Poing (Kreis Ebersberg). Doch aus dem Schuldienst wird sie nach der Wahl vorläufig ausscheiden, das BLLV-Präsidentenamt ist hauptberuflich.

Fleischmann fordert mehr Geld und mehr Zeit für Bildung sowie bessere Arbeitsbedingungen für alle Pädagogen. Sie will "die Diskrepanz zwischen bildungspolitischen Sonntagsreden und der schulischen Realität aufzeigen", hat sie bereits angekündigt. Die Delegiertenversammlung des BLLV tagt nur alle vier Jahre. Am Donnerstag begannen die internen Beratungen. Bis Samstag soll über 253 Anträge abgestimmt werden, darunter fünf Leitanträge.
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