Es bewegt sich was an der Grenze

Es kommt wieder etwas Bewegung in die bayerisch-österreichische Grenzkrise: Flüchtlinge warten bei Simbach am Inn (Bayern) an der österreichisch-deutschen Grenze hinter vorbeifahrenden Autos auf der Innbrücke. Bild: dpa

Zelte auf beiden Seiten der Grenze machen die Situation für die vielen Tausend Flüchtlinge menschenwürdiger. Sie müssen an den Übergängen nicht mehr stundenlang in der Kälte stehen. Damit ist für die Einsatzkräfte und Helfer aber auch klar: Es dauert noch lange.

Es wird fleißig gebaut an den Grenzübergängen von Österreich nach Bayern. Gerüststangen werden zusammengesteckt und verschraubt, Holzböden ausgelegt und Planen ausgebreitet. Nachdem am Grenzübergang Wegscheid auf der österreichischen Seite bereits seit Freitag ein Zelt für 1000 Menschen steht, ziehen am Wochenende andere Übergänge nach: das österreichische Schärding am Übergang zu Neuhaus am Inn etwa. Auf der deutschen Seite wird fast zeitgleich ein zweites Zelt für die ankommenden Menschen hingestellt.

Zustrom wächst

Der Bürgermeister von Neuhaus am Inn, Josef Schifferer (CSU), beobachtet das Treiben mit zwiespältigen Gefühlen. Zum einen freut es ihn, dass die Flüchtlinge auf der österreichischen Seite des Grenzflusses Inn nun nicht mehr stundenlang in der Kälte warten müssen, bis sie nach Deutschland geführt werden. Aber: "Das ist ein klares Zeichen, dass der Zustrom größer wird." Schifferer rechnet mit einer Zunahme der Flüchtlinge um das Dreifache. "Warum fahren die österreichischen Busse die Flüchtlinge nicht gleich in die Quartiere nach Deutschland? Oder die deutschen Busse übernehmen die Menschen auf der österreichischen Seite? Das würde Ressourcen und Zeit sparen." Zudem fordern die betroffenen Stadtoberhäupter, wie etwa Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD), die Reaktivierung des Drehkreuzes München.

Der Bürgermeister von Freilassing, Josef Flatscher (CSU), hat in einem Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gebeten, die Grenzstadt im Berchtesgadener Land zu entlasten. Er forderte, die Grenzkontrollen und Flüchtlingstransporte sollten von Österreich aus durchgeführt werden. Seit Freitag gelten neue Regelungen. Das Nachbarland hatte zugesagt, nur noch an fünf Grenzübergängen Flüchtlinge nach Bayern zu bringen. In Niederbayern sind dies Wegscheid, Neuhaus am Inn und Simbach, in Oberbayern werden die Migranten an den Übergängen Freilassing und Laufen empfangen.

"Deutlich verbessert"

Zudem wollen die österreichischen Behörden die Flüchtlinge in regelmäßigen Abständen zur Grenze bringen, damit die deutschen Einsatzkräfte die Menschen rasch in die Notquartiere oder Erstaufnahmeeinrichtungen bringen können. Nach zwei Tagen betont der Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Thomas Schweikl: "Die Situation hat sich deutlich verbessert. Die Flüchtlinge stehen nicht mehr stundenlang in der Kälte." Lediglich am oberbayerischen Grenzübergang Laufen konnte die Maßnahme noch nicht umgesetzt werden. "In den kommenden Tagen werden aber auch hier Toilettenhäuschen und Zelte stehen", betont Bernd-Robert Schulz von der Bundespolizei.

Bei aller Sorge um die Flüchtlinge vergessen einige Bürger aber auch nicht die Polizisten wie in Neuhaus am Inn. "Am Freitag kam eine Frau mit einem Topf Suppe", erzählt Christoph Baer von der Bundespolizeiinspektion Kleve. "Wir wollten sie zur Verpflegungsstelle für die Flüchtlinge schicken." Da habe sie gesagt: "Nein, die ist für Sie. Sie sollen auch mal etwas Ordentliches essen."
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