Eschenbach soll mit dem Vermessungsamt seine letzte Behörde verlieren - US-Armee bietet neue ...
Von der alten Kreisstadt zur "New Town"

Das Autokennzeichen "ESB" wird den Unter-30-Jährigen kaum mehr etwas sagen. "ESB" war bis zur Gebietsreform 1972 die Kennung für den Landkreis Eschenbach - ein Gebiet, das sich bis nach Neuhaus an der Pegnitz erstreckte. Das Kreisgebiet von damals ist heute zerstückelt: Die Landkreise Amberg-Sulzbach, Nürnberger Land, Bayreuth und Neustadt an der Waldnaab teilen es sich auf.

"Politische Lumperei"

Die Gebietsrefom bedeutete das Aus für den Landkreis Eschenbach. Sein Niedergang begann jedoch schon im Jahre 1938 mit der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. Ein Drittel des Eschenbacher Hinterlandes beanspruchten die Kriegsherren der Wehrmacht für sich. Hunderte Familien mussten ihre Häuser räumen. Niederbayern wurde ihnen als neue Heimat angeboten. Mit der Auflösung des Landkreises machte 1972 nicht nur das Landratsamt in Eschenbach dicht, sondern auch das Gesundheits- und das Landwirtschaftsamt. Vier Jahre später der nächste Schock für die Stadt: Das Amtsgericht schloss seine Pforten. Ein Schlag unter die Gürtellinie, wie Bürgermeister Robert Dotzauer (CSU) meint. Das Eschenbacher Amtsgericht wurde in das 30 Kilometer entfernte Weiden verlegt, während die etwa halb so weit entfernte Amtsgerichtsaußenstelle in Vohenstrauß erhalten blieb. Dotzauer: "Das hat Vohenstrauß seinem Fürsprecher Alfons Goppel zu verdanken. Aus unserer Sicht war das eine politische Lumperei."

In den 80er-Jahren folgte die Schließung der Kaufmännischen Berufsschule. Und vor wenigen Monaten gingen sogar in der Postfiliale der einstigen Kreisstadt die Lichter aus. "Durch die Ämterschließungen haben wir mehr als 150 Arbeitsplätze verloren", sagt der Bürgermeister. Eschenbachs Einwohnerzahl ist seit Verlust des Landkreissitzes auf den Nachkriegstiefstand von unter 4000 gesunken.

Einen adäquaten Ausgleich hat es für Eschenbach nicht gegeben - zumindest nicht von staatlicher Seite. "Der Freistaat legte nach der Gebietsreform ein kleines Strukturförderprogramm auf, das viele ehemalige Kreisstädte nutzten, um Industriegebiete zu erschließen", sagt Dotzauer. Auch Eschenbach wies damals Gewerbeflächen aus und bot Betrieben einen langfristigen Standort.

Hohe Erwartungen verbindet man seit einem Jahr mit der Ansiedlung von 3000 US-Soldaten im Truppenübungsplatz. Nur wenige Kilometer abseits des Stadtkerns soll die "New Town" entstehen, eine Wohnsiedlung für Soldaten und ihre Familienangehörigen. Sie sollen vor allem Kaufkraft in die Region bringen, aber auch neue Einrichtungen, die die Eschenbacher mit nutzen können.

Eine der wenigen Institutionen, die in der ehemaligen Kreisstadt Eschenbach verblieben sind, ist das Vermessungsamt. Es beschäftigt 20 Mitarbeiter und ist in den vergangenen Monaten in das Visier der Staatsregierung geraten. Um Kosten zu sparen, soll es in das Vermessungsamt Weiden eingegliedert werden. Bürgermeister Dotzauer widerspricht vehement: "Das ergibt überhaupt keinen Sinn!"

Purer Aktionismus

Dotzauer und seine Kollegen aus den acht Gemeinden des Altlandkreises haben eine Resolution verfasst, in der sie die Staatsregierung auffordern, ihre Pläne noch einmal zu überdenken. "Die Notwendigkeit einer Verschlankung der Verwaltung ist unbestritten", sagt Dotzauer, "Das sollte jedoch nicht in Aktionismus reinsten Wassers enden."

Weitere Informationen im Internet:

www.eschenbach-opf.de
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