EU-Kommissionschef beschwört die Griechen: Sagt "Ja" zum Sparpaket
"Meinem Herzen sehr nahe"

Angesichts geschlossener Banken und drohender Staatspleite versucht Europa, Griechenland doch noch auf ein Ja zum Spar- und Reformpaket der Geldgeber einzuschwören. "Ein Nein würde ein Nein zu Europa heißen", sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Montag in Brüssel mit Blick auf das für Sonntag angekündigte Referendum.

Kanzlerin Angela Merkel versicherte, man werde sich weiteren Verhandlungen nicht verschließen, wenn Athen nach der Volksabstimmung darum bitten sollte. Juncker sagte mit Blick auf das heute Nacht auslaufende Rettungsprogramm für Griechenland: "Es ist nicht so, dass wir endgültig in einer Sackgasse feststecken würden. Aber die Zeit wird immer knapper." Juncker äußerte sich auch persönlich enttäuscht über Griechenlands Premier Alexis Tsipras. Dieser habe ihn in stundenlangen Verhandlungen nicht darüber informiert, eine Volksabstimmung abzuhalten. "Das kam für mich als eine Überraschung." Juncker sagte, er habe alles getan, um einen Kompromiss zu ermöglichen. Wörtlich sagte er, er fühle sich von der griechischen Regierung während der Verhandlungen "verraten". Einen "Grexit", also einen Austritt Griechenland aus dem Eurogebiet, lehnte der ehemalige Euro-Gruppenchef erneut ab. Das sei für ihn nie eine Option gewesen. "Sie wissen gut, dass die Griechen meinem Herzen sehr nahe stehen", sagte er zu Medienvertretern.

Auch Frankreich zeigte sich zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Athen bereit. Er wünsche sich, dass die Gespräche weitergeführt würden, sagte Frankreichs Präsident François Hollande in Paris. Tsipras rief seine Landsleute zur Besonnenheit auf. "Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher", sagte er. Gehälter und Renten seien "garantiert".
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