Euro-Länder schmieden bereits Notfallpläne

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras am Donnerstag in Brüssel: Wie ernst nimmt Athen noch die Verhandlungen mit den Geldgebern? Renten- oder Lohnkürzungen werde Griechenland nicht akzeptieren, verlautete am Freitag erneut aus Kreisen der Regierung in Athen. Bild: dpa

Die Nervosität an den Börsen wächst. Außer der griechischen Regierung glaubt niemand mehr so recht, dass der Schuldenstreit mit Athen noch beigelegt werden kann. Jetzt wird für den Ernstfall geplant.

Staatspleite, "Grexit", Rückkehr zur Drachme: Während sich Athen im Schuldenstreit mit Europa in Optimismus übt, planen die Euro-Länder bereits für den absoluten Notfall im pleitebedrohten Griechenland. Entsprechende Szenarien haben die Finanzstaatssekretäre der Euroländer erstmals am Freitag in Bratislava besprochen.

Aus Athen hieß es dagegen, eine Einigung mit den Gläubigern sei bis zur Tagung der Euro-Gruppe am nächsten Donnerstag möglich. Eine hochrangige Regierungsdelegation will am Samstag in Brüssel erneut Vorschläge vorlegen, um Differenzen mit den Geldgebern zu überbrücken. "Es wird eine Einigung geben, weil eine Pleite Griechenlands weder zugunsten von uns noch unseren Gläubigern wäre", gab sich Staatsminister Alekos Flambouraris zuversichtlich. Der Junior-Koalitionspartner in der Regierung von Alexis Tsipras macht Druck: Entweder gebe es bis zum 18. Juni eine Einigung, oder Athen werde seine Schulden an die Geldgeber "nie" zurückzahlen, so der Parteichef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, Verteidigungsminister Panos Kammenos.

Zu den von den Finanzstaatssekretären erörterten Notfallplänen gehören unter anderem Kontrollen des Kapitalverkehrs. Solche Kontrollen könnten aber nur von Athen selbst angeordnet werden, hieß es in Bratislava. Ziel solcher Notmaßnahmen ist es, den Abfluss von Geld aus einem Land zu bremsen.

Angela Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert wies Berichte zurück, wonach die Bundesregierung inzwischen mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ("Grexit") plane. Die Frage eines Verbleibs Griechenlands im Euro-Raum spaltet die Deutschen. In einer Umfrage des Instituts TNS-Emnid sprachen sich 46 Prozent dafür aus, dass die Griechen den Euro behalten. 42 Prozent sind dafür, dass das Land zu seiner alten Währung, der Drachme, zurückkehrt. Laut ZDF wollen 41 Prozent, dass Griechenland den Euro behält, 51 Prozent seien dagegen.
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